Analyse und Kritik: Der Krieg in Afghanistan, Opfer, Kriegspropaganda, Kriegslügen und Rohstoffe
"Bringt die Jungs heim"
(und die Frauen auch!)
Für die Aufstockung des Bundeswehrkontingents von 4500 auf bis zu 5350 Soldaten stimmten am 21.2.2010 73 Prozent der Mitglieder des Bundestags. Für die Ausweitung des Krieges votierten 429 von 586 Abgeordneten, mit Nein 111, 46 enthielten sich.
Seit dem 10.2.2010 wird das Geschehen in Afghanistan nun zumindest offiziell als ein "bewaffneten Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts" definiert. Früher wurde ein "bewaffneten Konflikt" zwar Krieg genannt, aber erste kleine sprachliche Annäherungen an das Geschehen in Afghanistan sind erkennbar...
Im Januar sind 2010 Amerikaner und Briten mit 20000 Soldaten in die größte Schlacht des achtjährigen Kriegs in Afghanistan gezogen. Unter der Partisanenbekämpfung hat wie immer auch die Zivilbevölkerung massiv gelitten.
Zahl der getöteten US-Soldaten 2009 verdoppelt
Die Zahl der in Afghanistan getöteten US-Soldaten hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt: Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP verloren bis zum 30. Dezember 304 Militärangehörige ihr Leben, 2008 waren es 151. In der aktuellen Zählung sind die acht bei einem Anschlag in Chost am Mittwoch getöteten US-Zivilpersonen nicht enthalten.
Auch andere Staaten, die sich an der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) beteiligen, erlitten schwere Verluste: Großbritannien traf es mit 109 Toten am härtesten, Kanada beklagte 32 getötete Soldaten. Die anderen Truppensteller verloren insgesamt 59 Soldaten. Dazu kommt eine Vielzahl an getöteten Zivilisten.
Quelle: der Standart.at

Afghanistankrieg
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Von diesem Afghanistankrieg-Motiv (oben rechts) habe ich aus eigener Tasche 2000 kleine A3 Plakate und 1000 Auto-Aufkleber drucken lassen. Wenn Sie mir einen Unkostenbeitrag von ca. 10 Euro in einem Brief zusenden, dann schicke ich Ihnen 30 Kleinplakate und 10 Aufkleber. Wer wenig Geld hat und die Plakate tatsächlich auch aufhängt, kann auch eine kleinere Projektspende machen. Dieser Unkostenbeitrag ist nicht kostendeckend aber das ist kein Problem...)
(Axel Mayer, Venusberg 4, 79346 Endingen, Absender nicht vergessen! Keine Spendenquittung möglich)
In kleinen Schritten langsam in den großen Krieg
Der Juli 2009 entwickelt sich zu einem traurigen Rekord für die Isaf-Truppen in Afghanistan: Noch nie seit Kriegsbeginn sind in einem Monat so viele Soldaten der internationalen Koalition ums Leben gekommen. Allein vom 1. bis zum 15. Juli sind laut der Nachrichtenagentur AP 46 Soldaten der internationalen Truppen getötet worden - darunter 24 Amerikaner. Die Todesquote im Juli - rund drei am Tag - nähert sich laut AP den schlimmsten Zahlen aus dem Irak-Krieg an. Auch die Bundeswehr kämpft in diesem Krieg, der nicht Krieg genannt werden soll, zwischenzeitlich mit Panzern und anderen schweren Waffen.
Seit dem 1. Juli 2008 sind die deutschen Truppen
"offiziell" im Kriegseinsatz in Afghanistan. Rund 200 Soldaten der Augustdorfer Panzerbrigade lösten die norwegische Einheit der so genannten "Schnellen Eingreiftruppe" ab. "Schnelle Einsatzgruppe" oder Quick Reaction Force / QRF, das klingt in Zeiten orwellscher Wortverdrehungen einfach besser als Kampftruppe. Sitz der Kampftruppe ist Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans. Gleichzeitig kommen immer mehr Soldaten schwer verwundet oder in Zinksärgen nach Deutschland zurück.
Aktuell:
Lug und Trug in Afghanistan
Wie viele Menschen starben durch den Angriff auf den Tanklastzug?
Der Angriff auf den Tanklastwagen in Afghanistan. Die "Entwicklung" der Opferzahlen
- 4. September 2009: Trotz afghanischer Berichte über zivile Opfer hält das Verteidigungsministerium in einer ersten Reaktion an der Version der Bundeswehr fest. «Unbeteiligte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen», sagt ein Sprecher.
- 7. September: Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) räumt erstmals ein, dass auch Zivilisten unter den Opfern sein könnten.
- 26. November: Ein Artikel der «Bild»-Zeitung über einen unterschlagenen Bericht der Feldjäger, der früh von zivilen Opfern spricht, sorgt für Aufsehen. Guttenberg entlässt Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Verteidigungs-Staatssekretär Peter Wichert. Guttenberg sagt, nach Bekanntwerden der neuen Dokumente müsse er seine Bewertung vom 6. November womöglich revidieren.
- 27. November: Jung übernimmt die Verantwortung für die interne Informationspolitik und erklärt seinen Rücktritt als Arbeitsminister.
- Dezember: Bei dem von der Bundeswehr angeordneten Luftschlag gab es bis zu 142 Tote oder Verletzte - darunter viele Zivilisten. Vermutlich waren nicht die Tanklastzüge sondern die Menschen das Angriffsziel-
Quellen: teilweise dpa
Es ist zutiefst skandalös wie wir in einer funktionierenden Demokratie belogen und betrogen werden
Aktuell:
"Bringt die Jungs heim"
65 Prozent der Deutschen wollen einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan noch vor der nächsten Bundestagswahl. Das ermittelte das Emnid-Institut in einer repräsentativen Umfrage für die "BamS". 20 Prozent sind gegen einen raschen Abzug. Quelle: Bayrischer Rundfunk 30.11.09

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Nach dem Prinzip der Salami-Taktik
wird Deutschland mit immer mehr Truppen immer stärker in den nicht gewinnbaren Krieg gezogen. Was zu Beginn des Einsatzes noch einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hätte wird jetzt, geschickt verspätet, durchgesetzt.
Am Afghanistankrieg waren im Jahr 2008 ca. 4500 Bundeswehrsoldaten beteiligt,
der größte Teil im Rahmen der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Außerdem setzt die Bundeswehr im Rahmen eines dritten Mandats "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge in dem Land ein. Jetzt sollen nach dem Wunsch der USA noch mehr deutsche Soldaten in den Krieg ziehen. Alle diese Truppen sollten schnellstmöglich abgezogen werden.
Deutsche Tornados sind schon seit April 2007
im Süden Afghanistans im Kriegseinsatz. Die ersten Entscheidungen über den anfangs gezielt "sanften Kriegseinstieg" Deutschlands an diesen militärischen Konflikt am Hindukusch, wurden ohne große öffentliche Debatte gefällt.
Die politische Stille im Land
brüllt in meinen Ohren. Zwar waren die Linke, Teile der SPD und die GRÜNE Basis dagegen, dass Deutschland so nach und nach in einen großen Krieg gezogen wird. Doch die Mehrzahl der SPD Abgeordneten und mehr als die Hälfte der GRÜNEN Bundestagsfraktion war für den Kriegseinsatz. Diese alte, falsche Entscheidung prägt leider auch heute noch das Verhalten vieler Abgeordneten von SPD und GRÜNEN. Die Parteibasis sieht das zumeist anders.
Peter Strucks Satz, "unsere Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt", stellt die Realität auf den Kopf. Unsere Sicherheit wird durch den Afghanistankrieg gefährdet. Alle Politiker wissen das. Wer Aufständische mit Bomben bekämpft, tötet immer auch Unschuldige. Mit jedem unschuldig Getöteten wächst der Terror nicht nur in Afghanistan, sondern weltweit. In Deutschland muss der Innenminister Terroristen jagen, die der deutsche Verteidigungsminister durch das Töten afghanischer Zivilisten züchtet. Wir betreiben in Afghanistan ein Terrorzuchtprogramm. Zitat: Jürgen Todenhöfer ehemaliger CDU MdB in der TAZ
Die deutschen Soldaten am Hindukusch sind nicht so harmlos,
wie in der Vergangenheit gerne dargestellt wurden. Sie waren immer schon Teil eines unerklärten Krieges. Es ist tief erschreckend mit welchen Lügen solch wichtige Entscheidungen in Deutschland politisch durchgesetzt werden. Es sterben immer mehr unbeteiligte Zivilisten und Kinder. Zum Vietnamkrieg gibt es aber einen wesentlichen und gut organisierten Unterschied. Die grausamen Bilder erreichen uns nur noch in seltenen Ausnahmefällen. Hat Ihre Zeitung schon einmal ein Bild von einem toten deutschen Soldaten gezeigt?
Wenn es in den Nachrichten fast keine Bilder der vielen zivilen Opfer mehr gibt, dann ist seit dem Vietnamkrieg die Zensur besser und die Demokratie schlechter geworden.
Auch die Ausweitung der deutschen Beteiligung
im Juli 2008 (Schnelle Eingreiftruppe) wurde geschickt begründet und durchgesetzt. "Schnelle Eingreiftruppe" klingt in Zeiten orwellschen Neusprechs auf jeden Fall besser als "Kampftruppe".
Bei der systematischen Ausweitung der Kriegshandlungen
geht es auch darum "Wieder das töten zu lernen". Der ehemalige Regierungsbeauftragte Karsten Voigt, wurde nach SPIEGEL-Informationen in Washington bedrängt, die Bundeswehr könne nicht immerzu nur im ruhigen Norden Patrouille fahren. Die deutschen Soldaten müssten "lernen zu töten". Hier müssen wir uns widersetzen. Nach meiner Ansicht sollten die Unterwerfungsgesten gegenüber den USA endlich eingestellt werden.
"Dutzende Hochzeiten und Trauerfeiern wurden bombardiert. Im August 2008 beispielsweise starben bei einer Trauerfeier in Asisabad 90 Zivilisten. Ich habe die Tragödie von Asisabad persönlich nachrecherchiert. Der Tod der Zivilisten wurde auch damals von der Nato tagelang vehement dementiert - selbst dann noch, als Dorfälteste in ihrer Verzweiflung abgerissene Kinder- und Frauenarme in der Moschee von Asisabad ablegten. Was wäre auf den Straßen Deutschlands los, wenn bei uns derartige Massaker stattfänden?
Führende afghanische Politiker haben mir gegenüber erklärt, die Nato bezeichne getötete Afghanen bis zum Beweis des Gegenteils fast immer als "Taliban". Zwei Drittel der "getöteten Taliban" seien in Wirklichkeit Zivilisten. Die Verschleierungstaktik der deutschen Regierung im Fall Kundus sei keine Ausnahme, sondern die Regel. Insgesamt hätten die westlichen Besatzungstruppen seit Kriegsbeginn erheblich mehr Zivilisten getötet als die Taliban. Jeder Afghane wisse das." Zitat: Jürgen Todenhöfer ehemaliger CDU MdB in der TAZ
Der wichtigste Grund für den Einstieg
in die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Feldzug war die erfreuliche Nichtbeteiligung von Rot – GRÜN am Irak Krieg. Damals „brauchte“ es eine politische Demutsgeste gegenüber den Vereinigten Staaten und dafür bot sich die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan an. Jetzt bekommt diese Demutsgeste eine immer politischere und gefährlichere Dimension. Die erste Abstimmung über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr im Bundestag verknüpfte der damalige Kanzler Schröder noch mit der Vertrauensfrage um rot-grün auf Linie zu bringen. Unter schwarz-gelb ist dies nicht mehr nötig.
Der Afghanistankrieg, strategische Interessen und Rohstoffe
Ein wichtiges amerikanisches Kriegsziel ist die Einflussnahme in der ölreichsten Region der Welt, am kaspischen Meer und die Einkreisung des Iran und Russlands. Doch auch die afghanischen Rohstoffe machen das Land zum Ziel der Begierde.
"Kabuls Bergbauminister Ibrahim Adil verkündete Mitte Juli 2008, dass im Zentralen Hochland Afghanistans Bodenschätze im Wert von 300 Milliarden Dollar verborgen seien.
In der Bamyian-Provinz werden die Kohlevorkommen auf etwa 200 Millionen Tonnen geschätzt. Im Yakawlang-Distrikt der Region gebe es zudem eine Milliarde Tonnen Eisenerz. Wissenschaftler der Geological Society der USA (USGS) berichteten im Herbst des vergangenen Jahres, es gebe bedeutende Vorkommen an Gold, Quecksilber, Schwefel, Chromeisen und Magnesium. "Afghanistan besitzt große, bekannte Vorkommen an Rohstoffen und eine großes Potenzial für bislang noch unentdeckte Reserven" , erklärte USGS-Vertreter Stephen Peters. Auch viel Erdgas und Öl wird vermutet. Theoretisch könnte Afghanistan einer der wichtigen Rohstofflieferanten der Welt werden." Badische Zeitung vom Freitag, 8. August 2008
Immer wieder wird gesagt,
wir würden "Kultur, Zivilisation und Entwicklung" nach Afghanistan bringen. Nach Wounded Knee, Hiroshima, Auschwitz, My Lay, Bhopal und Tschernobyl stellt sich die Frage für welche Kultur die Interventionstruppen stehen? Guantanamo und die (bisherige?) Folterpraxis der USA (waterboarding) stehen nicht unbedingt für "Westliche Werte". Und ist unser mitweltzerstörendes Raubbausystem tatsächlich ein Vorbild der Entwicklung für den Rest der Welt?
Die wirklichen Werte auf die wir stolz sein können,
die Aufklärung oder die Menschenrechte, werden in asymetrischen Kriegen nicht verteidigt, sondern mit Füßen getreten. Folter und Mord gehört zum "Kriegshandwerk" und auch die Unterstützung von Folterpraktiken "befreundeter Truppen" ist ein Verbrechen. Die Kriegsverbrechen der USA, zu Beginn des Feldzuges in Afghanistan und die Folterpraktiken unserer Verbündeten unter Präsident Bush waren nie ein Thema in Deutschland.
Afghanistan und Präsident Obama
Manches wird sich unter dem US-Präsidenten Obama sicher verbessern. Doch den Krieg in Afghanistan will er fortsetzen, ausweiten und neue Truppen entsenden. Ungerechte Angriffskriege haben in der amerikanischen Geschichte die Präsidenten beider großer Parteien geführt, denn die amerikanische Politik wird nicht zuletzt von den Konzernen gemacht die an Kriegen gut verdienen. Wenn Präsident Obama diese Erwartungen nicht erfüllt, dann ist sein Leben bedroht.
Der "Kampf für die Menschenrechte" in Afghanistan
wurde bisher mit Folter und Menschenrechtsverletzungen geführt. Wer Folterer unterstützt (wie die deutschen Truppen in Afghanistan in der Vergangenheit) macht sich mitschuldig. Doch diese Debatte wird in Deutschland nicht geführt. In erschreckend vielen bundesdeutschen Medien wurde die Folterpraxis unter Präsident Bush in schönsten Neusprech "Umstrittene Verhörmethode" genannt.
Der schöne Glaube einen "sauberen" Afghanistankrieg
führen zu können ist Illusion. Es gibt keinen sauberen Krieg. Auch die afghanische Regierung lässt foltern. Am 5. November 2007 ist die kanadische Regierung "glaubwürdig" über die Misshandlung eines Gefangenen informiert worden, der von den kanadischen Einheiten an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden war. Nach Medienberichten werden auch Kinder von der afghanischen Polizei gefoltert.
Die Befreiung der afghanischen Frauen vom Tschador
war zur Zeit der blutigen sowjetischen Invasion in Afghanistan ein wichtiges Argument der DKP für den Krieg. Heute wird dieses Argument auch in Wikipedia und vielen Medien und Leserbriefen gerne vorgetragen um GRÜNE und Linke zum Schweigen zu bringen.
Die Befreiung der Frauen aus Unterdrückung wurde und wird von den Kriegsbefürwortern immer wieder zur Rechtfertigung jedes Krieges missbraucht.
Dies war in der Vergangenheit immer auch ein gutes Argument zur Rechtfertigung von Kolonialkriegen und mit der "kulturellen Überlegenheit" des Westens wurde häufig auch der Genozid an den Indianern begründet.
Der Schleier war und ist in fast allen ländlichen Gebieten das alltägliche Kleidungsstück der Frauen in Afganistan. Unser Bild dieses "mittelalterlichen Landes" wird von Berichten über das städtische Kabul geprägt.
Wenn es tatsächlich um die Befreiung der afghanischen Frauen vom Tschador geht, dann stellt sich die Frage wann die ISAF in Saudi Arabien einmarschiert? Frauen- und Menschenrechte bei unseren "Verbündeten" im "Kampf um die Freiheit" sind kein Thema.
Wichtig wäre es endlich einmal
Frauen und Männer
in diesem geschundenen Land nach ihren tatsächlichen Wünschen zu fragen und dieses „Meinungsbild“ nicht den Werbeabteilungen der jeweils kriegsführenden Länder zu überlassen. Eines haben die Afghanen in ihrer langen Geschichte immer wieder gezeigt. Fremdbestimmung und fremde Truppen im eigenen Land wollen sie nicht.Das galt in der Vergangenheit für die Soldaten des britischen Empire, für die sowjetischen Truppen und mit großer Wahrscheinlichkeit gilt dies auch für die aktuelle Besetzung. Langfristig werden landesfremde Taliban aber auch nicht geduldet werden.
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Warlords in Afghanistan
"Wieso der Rückhalt auch der deutschen Truppen in der afghanischen Bevölkerung nach acht Jahren Besatzung so gering ist, lassen Recherchen des Journalisten Marc Thörner erahnen. Die Recherchen belegen - zuletzt ein Feature im Deutschlandfunk-, dass die Kooperation der Bundeswehr mit afghanischen Warlords, die die eigentlichen Machthaber in der deutschen Besatzungszone Nordafghanistans sind, zu Lasten der großen Mehrheit der Bevölkerung geht. Zu diesen Warlords gehört insbesondere der Gouverneur in Mazar-e-Sharif, Mohammed Atta Noor. "Wenn Sie beispielsweise zu einem durchschnittlichen Afghanen, der im Norden lebt, über Gouverneur Atta sprechen", berichtet ein Beobachter in Thörners Radio-Feature, "würden Sie hören: Er ist ein Mörder, ein Killer, ein Krimineller." Zitatende
Quelle:: german-foreign-policy 11.12.09
In der deutschen Öffentlichkeit wurde dieser Krieg
lange Zeit nicht als Krieg wahrgenommen. Es ging ja scheinbar nur um "praktizierte Sozialarbeit" im friedlichen Teil des Landes. Dieser real existierende "Nichtkrieg" erinnerte verstörend an George Orwells Beschreibungen von Kriegen in einer Gedankendiktatur. Erst seit dem 10.2.2010 wird das Geschehen in Afghanistan nun offiziell ein "bewaffneter Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts" genannt. Früher war ein "bewaffneten Konflikt" zwar ein Krieg, aber erste kleine sprachliche Annäherungen an das Geschehen in Afghanistan sind erkennbar...
Die Angriffe der Taliban auf die Truppen werden als Terror bezeichnet.
Die gleiche furchtbare Art der asymetrischen Kriegsführung der Taliban wurde in der Vergangenheit in den westlichen Medien noch als "Freiheitskampf von Partisanen" bezeichnet. Damals kämpften die Taliban mit amerikanischen Waffen und den gleichen Methoden allerdings noch gegen die sowjetischen Truppen...
Asymmetrische Kriege hoch technisierter Armeen
gegen schlecht ausgerüstete Partisanen (Tornado contra Gewehr) führen in letzter Konsequenz zu einer, regional nicht mehr eingrenzbaren, Zunahme von Selbstmordattentaten. Der "High Tech Krieg" der USA im Irak kostete wöchentlich bis zu 2 Milliarden US Dollar (Schätzung ARD). Doch millionenschwere Jagdflugzeuge und Hubschrauber nützen wenig gegen Selbstmordattentäter. Sie nützen den Rüstungskonzernen. So ist zu befürchten, dass die Seuche der Selbstmordattentate nicht mit militärischen Mitteln eingrenzbar ist. Und die Terrorcamps mit Anleitung zum Bombenbau gibt es eben nicht in Afghanistan, sondern im Internet und die Bombenmaterialien beim Düngemittelhändler in der Nachbarschaft. Der Terror, den der Krieg unterbinden soll, wird weltweit verstärkt. Hier müssen nicht militärische Gegenstrategien entwickelt werden um drohende Katastrophen, und den aufgrund der Terrorausweitung unweigerlich folgenden Ausbau des Überwachungsstaates, zu verhindern. Doch an nicht militärischen Gegenstrategien haben die Vertreter der Waffenlobby in den Parlamenten verständlicherweise kein Interesse.
Nach und nach, in vielen kleinen Schritten
werden wir in Afghanistan in einen nicht gewinnbaren Krieg gezogen. Ich will nicht erst dann meine Stimme erheben, wenn die Luftwaffe immer mehr Zinksärge nach Deutschland bringt.
(Dieser Satz aus meinem ersten Text zum Krieg ist zwischenzeitlich erschreckende Realität)
"Wir werden diesen Krieg nicht gewinnen,
sagte Mark Carleton-Smith, britischer Luftwaffen-Brigadegeneral in Afghanistan, jetzt in einem Interview mit der "Sunday Times". Seine Truppen hätten den radikal-islamischen Taliban für das Jahr 2008 zwar "den Stachel gezogen". Es sei aber "unrealistisch", zu glauben, dass die internationalen Truppen das Land von den Rebellen befreien könnten. Die Öffentlichkeit solle ihre Erwartungen zurückschrauben und nicht mit einem "militärischen Sieg" rechnen, sagte Carleton-Smith." Zitatende
Quelle: Der Spiegel vom 5.10.08
„Das Trauerspiel von Afghanistan
Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.“
Quelle: Auszug aus dem Gedicht von Theodor Fontane von 1858
über die Niederlage der Engländer in Afghanistan
Was können wir glauben?
Die offene und umfassende Berichterstattung in den Medien, der allabendliche Fernsehkrieg und die unzensierten Bilder über die Gräuel des Krieges in Vietnam hatten den Widerstand der Friedensbewegung weltweit angefacht, und dieser Widerstand war mit ein Grund für den Rückzug und die Niederlage der Amerikaner. Die Militärs haben ihre Lektion gelernt. Der nur scheinbar saubere Krieg in Afghanistan, den Werbeagenturen im Armeeauftrag inszenieren, ist nicht zuletzt das Ergebnis der verlorenen Medienschlacht in Vietnam. Was können wir glauben, nach dem Kriege wie der im Irak mit Lügengeschichten begonnen wurden?
Im Vietnamkrieg
wurden die zivilen Opfer im Fernsehen noch gezeigt. Jonathan Steele nannte im „The Guardian“ ein Zahl zwischen 20.000 bis 49.600 Menschen, welche als Konsequenz durch die Invasion in Afghanistan starben. Doch in den Nachrichten werden die zivilen Opfer der Angriffe beinah nicht mehr gezeigt.
Wenn seit dem Vietnamkrieg die Zensur "besser" wurde, spricht das nicht für eine Weiterentwicklung unserer Demokratie.
Die Badische Zeitung berichtete am 28.7.2007: "Die Bundeswehr hat den Zugang der Presse zu den in Afghanistan stationierten Soldaten massiv erschwert. Seit über einem Jahr kann man nur mit Soldaten reden, wenn ein Aufpasser dabei ist und wenn höchste Stellen in Berlin eine Genehmigung erteilen. Diplomaten und hohe Militärs dürfen häufig nichts sagen. Ihre Chefs in der Heimat fürchten, sie könnten etwas Unangenehmes preisgeben." Zitatende
Die "Einschränkungen" bei der ZDF Berichterstattung über Afghanistan
trieb einen bekannten ZDF Journalisten in die Schweiz. Ulrich Tilgner (60) berichtet seit 1982 über den Nahen und mittleren Osten. Seit 2002 leitet der gebürtige Bremer das ZDF-Büro in Teheran. Doch 2008 hat er seinen Vertrag mit dem ZDF nicht mehr verlängert. Seit dem 1. April 2008 arbeitet er vor allem für das Schweizer Fernsehen.
Der prominente Nahostexperte begründet seinen Schritt damit, dass er sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt fühlt, "gerade auch was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben." Es gebe Bündnisrücksichten, die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten.
Quelle: "Migros-Magazin"
Erschreckend ist der Mangel
an öffentlicher Debatte und Protest zu diesem wichtigen Thema. Gegen den "großen Krieg" im Irak gab es einen breiten Widerstand. Die Durchsetzungsstrategen und Akzeptanzforscher haben daraus ihre Lehren gezogen. Nach und nach und beinah ohne Widerstand schlittern wir in einen Krieg den auch die deutsche Bevölkerung nicht will.
Die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte
und der Genfer Konventionen gehört zu den großen Aufgaben der Menschheit. Mit der Unterstützung von Streubomben, Folter und Krieg, bei denen die Menschenrechte nur vorgeschoben werden, um andere Kriegsziele zu tarnen, wird dieses Ziel nicht erreicht. Nicht nur in Diktaturen müssen Demokratie und Menschenrechte durchgesetzt und dauerhaft gesichert werden. Demokratie ist stets auch ein Übergangszustand. Wohin die Reise geht, liegt an uns.
Axel Mayer , Kreisrat, Endingen
wichtige Links zum Krieg in Afghanistan:
Wie lange noch Krieg in Afghanistan?
Fünfmal sind in den letzten 200 Jahren ausländische Mächte in Afghanistan eingedrungen und viermal wurden sie besiegt. Zuletzt die Sowjetunion. Kann die neue Afghanistan-Strategie dieser Woche etwas daran ändern, dass dieses Land in Zentralasien bisher immer wieder zum Friedhof der Eindringlinge wurde?
Eine neue Strategie wurde notwendig, weil die alte kläglich gescheitert war. Der letzte Afghanistan-Krieg dauert nun schon länger als der Erste und Zweite Weltkrieg. Gemessen an den vielen Afghanistan-Konferenzen, Friedensmissionen und an den unzähligen Entwicklungs-Milliarden müsste das Bergland längst ein Hort des Friedens und eine Oase der Freiheit sein.
Doch die Lage ist eine ganz andere: Vor drei Jahren war noch die Hälfte des Landes unter Taliban-Herrschaft, heute sind es 80 %. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen stieg von 26 auf 47 %. Die Situation der Frauen, von George Bush immer als Kriegsgrund genannt, hat sich nicht wesentlich verbessert und die Fortschritte bei der Alphabetisierung des Landes sind bescheiden. Das einzige, was wirklich blüht in Afghanistan, sind die Mohnfelder und die Korruption. Präsident Karsai ist als Wahlfälscher entlarvt. Und dafür Krieg mit steigenden zivilen Opfern und gefallenen Soldaten aus vielen Ländern?
Die „neue“ Afghanistan-Strategie dieser Woche bewies eher taktische Verlegenheit. Alles, was jetzt anders werden soll, wurde schon ausprobiert, auch die Zusammenarbeit mit „gemäßigten Taliban“. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Der Wiederaufbau gelingt nur schleppend und die Regierung in Kabul ist nicht wirklich demokratisch legitimiert. Kein Wunder, dass der Widerstand gegen diesen Krieg weltweit wächst. Die 42 kriegführenden Staaten machen in Afghanistan alle Fehler, welche zuvor die Sowjets und die Engländer gemacht haben. Die Herzen der Afghanen hat noch kein Eindringling gewonnen. Aber darauf käme es an.
Sehr wahrscheinlich bewirken immer mehr Soldaten immer mehr Opfer und Gewalt und Leid in dem geschundenen Land am Hindukusch. Die Welt muss in Afghanistan wohl noch einmal die uralte Erfahrung machen, dass wir ganz neue Strategien ziviler Entwicklung brauchen, wenn wir wirklich an Fortschritt, Wohlstand für alle, Demokratie und Freiheit interessiert sind.
Die Konferenz in London goss in dieser Woche lediglich neuen Wein in alte Schläuche. Wie lange noch Krieg in Afghanistan?
Quelle: Franz Alt 2010
Gefallene Bundeswehrsoldaten (Stand 29.Juni 2009)
Eine traurige Liste
Beim Bundeswehreinsatz am Hindukusch sind bislang mehr als 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Nicht alle sind namentlich bekannt. Auch die Todesursache wurde nicht immer öffentlich. Einer von ihnen starb im usbekischen Termes, von wo aus die Lufttransporte nach Afghanistan abgewickelt werden. Die Bundeswehr führt zumindest keine externe Statistik über die gefallenen Soldaten. Lange war überhaupt nicht von Gefallenen die Rede.
Quelle: Frankfurter Rundschau
Nachtrag
Der Mohn blüht wie nie zuvor
Die Drogenclans in Afghanistan haben ihre Anbaugebiete (im Jahr 2007) laut Vereinten Nationen so stark ausgeweitet wie nie zuvor. Die Schlafmohngebiete erstreckten sich nun auf einer Fläche von 104 000 Hektar. Diese Menge entspricht etwa der Weinanbaufläche Deutschlands, wie aus dem am Dienstag in Genf veröffentlichen UN- Jahres-Drogenbericht hervorgeht.
Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 27. Juni 2007
Nachtrag
Kriegstote im Afghanistankrieg
Quelle: Wikipedia
Opferzahlen: Krieg in Afghanistan (Stand vom 10. August 2008)
Bisher kamen insgesamt über 1000 Koalitionssoldaten ums Leben, darunter 30 Soldaten der Bundeswehr [9] Außerdem starben eine unbekannte Zahl afghanischer Soldaten und Aufständischer.
Offizielle Angaben zu zivilen Opfer liegen nicht vor, Schätzungen sind sehr unterschiedlich:
- Laut Marc W. Herold's [10] kamen über 3.600 Zivilisten bei US-Bombardierungen ums Leben.
- Jonathan Steele nannte im „The Guardian“ ein Zahl zwischen 20.000 bis 49.600 Menschen, welche als Konsequenz durch die Invasion starben.
- Eine Studie der Los Angeles Times nannte eine Zahl von ca. 1.000 zivilen Opfern
Verluste der Bundeswehr
(Diese Angaben finden sich Ende Oktober 2008 nicht mehr bei Wikipedia. Wikipedia wird gerne von den Werbeabteilungen
der kriegsführenden Parteien auch im Afghanistankrieg beeinflusst und manipuliert)
- Am 6. März 2002 sterben in der Nähe von Kabul zwei Soldaten des Heeres, als sie eine Flugabwehrrakete vom Typ SA-3 Goa entschärfen wollten. Die Oberfeldwebel Thomas Kochert und Mike Rubel gehörten der Kampfmittelbeseitigungskompanie 11 mit Standort Munster in Niedersachsen an. Außer ihnen kommen auch drei dänische Soldaten ums Leben.
- Am 21. Dezember 2002 kommen 7 Soldaten beim Absturz eines Militärhubschraubers vom Typ CH-53GS (German Special) nahe Kabul ums Leben: Hauptmann Friedrich Deininger, Stabsunteroffizier Frank Ehrlich, Hauptfeldwebel Heinz-Ullrich Hewußt, Hauptfeldwebel Bernhard Kaiser, Hauptfeldwebel Thomas Schiebel, Hauptgefreiter Enrico Schmidt und Oberleutnant Uwe Vierling. Sie gehörten den Heeresfliegerregimentern 15 und 25 an.
- Am 29. Mai 2003 kommt der Stabsgefreite Stefan Kamins 12 Kilometer südlich von Kabul ums Leben, als sein Fahrzeug vom Typ Wolf auf eine Landmine fährt.
- Am 7. Juni 2003 werden 4 ISAF-Soldaten durch eine Autobombe während einer Busfahrt zum Flughafen Kabul International Airport in Kabul getötet. Es handelt sich dabei um Stabsunteroffizier Jörg Baasch, Oberfähnrich Andreas Beljo, Feldwebel Helmi Jimenez-Paradis und Oberfeldwebel Carsten Kühlmorgen.
- Am 26. Juni 2005 werden Hauptfeldwebel Andreas Heine und Oberfeldwebel Christian Schlotterhose in der Provinz Takhar in Rustaq getötet. Sie gehörten dem PRT Kunduz Provincial Reconstruction Team an und kamen beim Beladen von Lastwagen mit abgegebener Munition und Waffen um. Anfangs ging die Bundeswehr von einem Unfall aufgrund von Überlagerung der Muniton aus. Später stellte sich heraus, dass es ein Anschlag war.
- Am 7. August 2005 kommt Hauptgefreiter Boris Nowitzki südöstlich von Kabul bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
- Am 14. November 2005 wird Oberstleutnant d.R. Armin Franz in Kabul durch einen Selbstmordattentäter in einem Auto getötet. Zwei ihn begleitende Kameraden werden schwer verletzt.
- Am 19. Mai 2007 werden bei einem Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt in der nordafghanischen Stadt Kundus Hauptmann d.R. Matthias Standfuß und die Oberfeldwebel d.R. Michael Diebel und Michael Neumann getötet, zwei Soldaten werden schwer und drei weitere leicht verletzt. Die Opfer waren Beamte der Wehrverwaltung und hatten für die Dauer ihres Auslandseinsatzes den Status von Reservisten erhalten.
Bislang sind damit 21 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan durch Anschläge und Unfälle ums Leben gekommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind vier weitere Soldaten in Afghanistan gestorben.