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Afghanistan - Krieg: „Bringt die Jungs heim“ - Analyse und Kritik: Der Krieg in Afghanistan

Analyse und Kritik: Der Krieg in Afghanistan, Opfer, Kriegspropaganda, Kriegslügen und Rohstoffe

"Bringt die Jungs heim"

(und die Frauen auch!)

Aktuell:
Anti-Kriegs-Demo am 20.2.2010 in Berlin


Aktuell:
Zahl der getöteten US-Soldaten 2009 verdoppelt
Die Zahl der in Afghanistan getöteten US-Soldaten hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt: Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP verloren bis zum 30. Dezember 304 Militärangehörige ihr Leben, 2008 waren es 151. In der aktuellen Zählung sind die acht bei einem Anschlag in Chost am Mittwoch getöteten US-Zivilpersonen nicht enthalten.
Auch andere Staaten, die sich an der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) beteiligen, erlitten schwere Verluste: Großbritannien traf es mit 109 Toten am härtesten, Kanada beklagte 32 getötete Soldaten. Die anderen Truppensteller verloren insgesamt 59 Soldaten. Dazu kommt eine Vielzahl an getöteten Zivilisten.
Quelle: der Standart.at


Afghanistankrieg

Afghanistan Krieg - Klicken Sie hier für eine vergrößerte Version der Grafik, die Sie gerne als Kleinplakat, oder auf Ihrer Homepage, verwenden können
Von diesem Afghanistankrieg-Motiv (oben rechts) habe ich aus eigener Tasche 2000 kleine A3 Plakate und 1000 Auto-Aufkleber drucken lassen. Wenn Sie mir einen Unkostenbeitrag von ca. 10 Euro in einem Brief zusenden, dann schicke ich Ihnen 30 Kleinplakate und 10 Aufkleber. Wer wenig Geld hat und die Plakate tatsächlich auch aufhängt, kann auch eine kleinere Projektspende machen. Dieser Unkostenbeitrag ist nicht kostendeckend aber das ist kein Problem...)
(Axel Mayer, Venusberg 4, 79346 Endingen, Absender nicht vergessen! Keine Spendenquittung möglich)


In kleinen Schritten langsam in den großen Krieg


Der Juli 2009 entwickelt sich zu einem traurigen Rekord für die Isaf-Truppen in Afghanistan: Noch nie seit Kriegsbeginn sind in einem Monat so viele Soldaten der internationalen Koalition ums Leben gekommen. Allein vom 1. bis zum 15. Juli sind laut der Nachrichtenagentur AP 46 Soldaten der internationalen Truppen getötet worden - darunter 24 Amerikaner. Die Todesquote im Juli - rund drei am Tag - nähert sich laut AP den schlimmsten Zahlen aus dem Irak-Krieg an. Auch die Bundeswehr kämpft in diesem Krieg, der nicht Krieg genannt werden soll, zwischenzeitlich mit Panzern und anderen schweren Waffen.

Seit dem 1. Juli 2008 sind die deutschen Truppen
"offiziell" im Kriegseinsatz in Afghanistan. Rund 200 Soldaten der Augustdorfer Panzerbrigade lösten die norwegische Einheit der so genannten "Schnellen Eingreiftruppe" ab. "Schnelle Einsatzgruppe" oder Quick Reaction Force / QRF, das klingt in Zeiten orwellscher Wortverdrehungen einfach besser als Kampftruppe. Sitz der Kampftruppe ist Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans. Gleichzeitig kommen immer mehr Soldaten schwer verwundet oder in Zinksärgen nach Deutschland zurück.

Aktuell:
Lug und Trug in Afghanistan
Wie viele Menschen starben durch den Angriff auf den Tanklastzug?


Der Angriff auf den Tanklastwagen in Afghanistan. Die "Entwicklung" der Opferzahlen
  • 4. September 2009: Trotz afghanischer Berichte über zivile Opfer hält das Verteidigungsministerium in einer ersten Reaktion an der Version der Bundeswehr fest. «Unbeteiligte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen», sagt ein Sprecher.
  • 7. September: Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) räumt erstmals ein, dass auch Zivilisten unter den Opfern sein könnten.
  • 26. November: Ein Artikel der «Bild»-Zeitung über einen unterschlagenen Bericht der Feldjäger, der früh von zivilen Opfern spricht, sorgt für Aufsehen. Guttenberg entlässt Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Verteidigungs-Staatssekretär Peter Wichert. Guttenberg sagt, nach Bekanntwerden der neuen Dokumente müsse er seine Bewertung vom 6. November womöglich revidieren.
  • 27. November: Jung übernimmt die Verantwortung für die interne Informationspolitik und erklärt seinen Rücktritt als Arbeitsminister.
  • Dezember: Bei dem von der Bundeswehr angeordneten Luftschlag gab es bis zu 142 Tote oder Verletzte - darunter viele Zivilisten. Vermutlich waren nicht die Tanklastzüge sondern die Menschen das Angriffsziel-

Quelle: teilweise dpa

Es ist zutiefst skandalös wie wir in einer funktionierenden Demokratie belogen und betrogen werden



Aktuell:
"Bringt die Jungs heim"

65 Prozent der Deutschen wollen einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan noch vor der nächsten Bundestagswahl. Das ermittelte das Emnid-Institut in einer repräsentativen Umfrage für die "BamS". 20 Prozent sind gegen einen raschen Abzug. Quelle: Bayrischer Rundfunk 30.11.09



Afghanistan - Krieg: Layout Material für Deine private Kleinnzeige gegen den Krieg

Mehr Infos: Kleinanzeigen - Protestanzeigen

Nach dem Prinzip der Salami-Taktik
wird Deutschland so immer stärker in den nicht gewinnbaren Krieg gezogen. Was zu Beginn des Einsatzes noch einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hätte wird jetzt, geschickt verspätet, durchgesetzt.

Am Afghanistankrieg waren im Jahr 2008 ca. 4500 Bundeswehrsoldaten beteiligt,
der größte Teil im Rahmen der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Außerdem setzt die Bundeswehr im Rahmen eines dritten Mandats "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge in dem Land ein. Jetzt sollen nach dem Wunsch der USA noch mehr deutsche Soldaten in den Krieg ziehen. Alle diese Truppen sollten schnellstmöglich abgezogen werden.

Deutsche Tornados sind schon seit April 2007
im Süden Afghanistans im Kriegseinsatz. Die ersten Entscheidungen über den anfangs gezielt "sanften Kriegseinstieg" Deutschlands an diesen militärischen Konflikt am Hindukusch, wurden ohne große öffentliche Debatte gefällt.

Die politische Stille im Land
brüllt in meinen Ohren. Zwar waren die Linke, Teile der SPD und die GRÜNE Basis dagegen, dass Deutschland so nach und nach in einen großen Krieg gezogen wird. Doch die Mehrzahl der SPD Abgeordneten und mehr als die Hälfte der GRÜNEN Bundestagsfraktion war für den Kriegseinsatz. Diese alte, falsche Entscheidung prägt leider auch heute noch das Verhalten von SPD und GRÜNEN.

Peter Strucks Satz, "unsere Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt", stellt die Realität auf den Kopf. Unsere Sicherheit wird durch den Afghanistankrieg gefährdet. Alle Politiker wissen das. Wer Aufständische mit Bomben bekämpft, tötet immer auch Unschuldige. Mit jedem unschuldig Getöteten wächst der Terror nicht nur in Afghanistan, sondern weltweit. In Deutschland muss der Innenminister Terroristen jagen, die der deutsche Verteidigungsminister durch das Töten afghanischer Zivilisten züchtet. Wir betreiben in Afghanistan ein Terrorzuchtprogramm. Zitat: Jürgen Todenhöfer ehemaliger CDU MdB in der TAZ


Die deutschen Soldaten am Hindukusch sind nicht so harmlos,
wie gerne dargestellt wird. Sie sind Teil eines unerklärten Krieges. Es ist tief erschreckend mit welchen Lügen solch wichtige Entscheidungen in Deutschland politisch durchgesetzt werden. Es sterben immer mehr unbeteiligte Zivilisten und Kinder. Zum Vietnamkrieg gibt es aber einen wesentlichen und gut organisierten Unterschied. Die grausamen Bilder erreichen uns nur noch in Ausnahmefällen.

Wenn es in den Nachrichten fast keine Bilder der vielen zivilen Opfer mehr gibt, dann ist seit dem Vietnamkrieg die Zensur besser und die Demokratie schlechter geworden.



Die Ausweitung der deutschen Beteiligung am Afghanistankrieg
im Juli 2008 (Schnelle Eingreiftruppe) wurde geschickt begründet und durchgesetzt. "Schnelle Eingreiftruppe" klingt in Zeiten orwellschen Neusprechs auf jeden Fall besser als "Kampftruppe".

Bei der systematischen Ausweitung der Kriegshandlungen
geht es auch darum "Wieder das töten zu lernen". Der ehemalige Regierungsbeauftragte Karsten Voigt, wurde nach SPIEGEL-Informationen in Washington bedrängt, die Bundeswehr könne nicht immerzu nur im ruhigen Norden Patrouille fahren. Die deutschen Soldaten müssten "lernen zu töten". Hier müssen wir uns widersetzen. Nach meiner Ansicht sollten die Unterwerfungsgesten gegenüber den USA endlich eingestellt werden.

"Dutzende Hochzeiten und Trauerfeiern wurden bombardiert. Im August 2008 beispielsweise starben bei einer Trauerfeier in Asisabad 90 Zivilisten. Ich habe die Tragödie von Asisabad persönlich nachrecherchiert. Der Tod der Zivilisten wurde auch damals von der Nato tagelang vehement dementiert - selbst dann noch, als Dorfälteste in ihrer Verzweiflung abgerissene Kinder- und Frauenarme in der Moschee von Asisabad ablegten. Was wäre auf den Straßen Deutschlands los, wenn bei uns derartige Massaker stattfänden?

Führende afghanische Politiker haben mir gegenüber erklärt, die Nato bezeichne getötete Afghanen bis zum Beweis des Gegenteils fast immer als "Taliban". Zwei Drittel der "getöteten Taliban" seien in Wirklichkeit Zivilisten. Die Verschleierungstaktik der deutschen Regierung im Fall Kundus sei keine Ausnahme, sondern die Regel. Insgesamt hätten die westlichen Besatzungstruppen seit Kriegsbeginn erheblich mehr Zivilisten getötet als die Taliban. Jeder Afghane wisse das."
Zitat: Jürgen Todenhöfer ehemaliger CDU MdB in der TAZ


Der wichtigste Grund für den Einstieg
in die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Feldzug war die erfreuliche Nichtbeteiligung von Rot – GRÜN am Irak Krieg. Damals „brauchte“ es eine politische Demutsgeste gegenüber den Vereinigten Staaten und dafür bot sich die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan an. Jetzt bekommt diese Demutsgeste eine immer politischere und gefährlichere Dimension. Die erste Abstimmung über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr im Bundestag verknüpfte der damalige Kanzler Schröder noch mit der Vertrauensfrage um rot-grün auf Linie zu bringen. Unter schwarz-gelb ist dies nicht mehr nötig.

Der Afghanistankrieg, strategische Interessen und Rohstoffe
Ein wichtiges amerikanisches Kriegsziel ist die Einflussnahme in der ölreichsten Region der Welt, am kaspischen Meer und die Einkreisung des Iran und Russlands. Doch auch die afghanischen Rohstoffe machen das Land zum Ziel der Begierde.

"Kabuls Bergbauminister Ibrahim Adil verkündete Mitte Juli 2008, dass im Zentralen Hochland Afghanistans Bodenschätze im Wert von 300 Milliarden Dollar verborgen seien.
In der Bamyian-Provinz werden die Kohlevorkommen auf etwa 200 Millionen Tonnen geschätzt. Im Yakawlang-Distrikt der Region gebe es zudem eine Milliarde Tonnen Eisenerz. Wissenschaftler der Geological Society der USA (USGS) berichteten im Herbst des vergangenen Jahres, es gebe bedeutende Vorkommen an Gold, Quecksilber, Schwefel, Chromeisen und Magnesium. "Afghanistan besitzt große, bekannte Vorkommen an Rohstoffen und eine großes Potenzial für bislang noch unentdeckte Reserven" , erklärte USGS-Vertreter Stephen Peters. Auch viel Erdgas und Öl wird vermutet. Theoretisch könnte Afghanistan einer der wichtigen Rohstofflieferanten der Welt werden."
Badische Zeitung vom Freitag, 8. August 2008

Immer wieder wird gesagt,
wir würden "Kultur, Zivilisation und Entwicklung" nach Afghanistan bringen. Nach Hiroshima, Auschwitz, My Lay, Bhopal und Tschernobyl stellt sich die Frage für welche Kultur wir stehen? Guantanamo und die (bisherige?) Folterpraxis der USA (waterboarding) stehen nicht unbedingt für "Westliche Werte". Und ist unser mitweltzerstörendes Raubbausystem tatsächlich ein Vorbild der Entwicklung für den Rest der Welt?

Die wirklichen Werte auf die wir stolz sein können,
die Aufklärung oder die Menschenrechte, werden in asymetrischen Kriegen nicht verteidigt, sondern mit Füßen getreten. Folter und Mord gehört zum "Kriegshandwerk" und auch die Unterstützung von Folterpraktiken "befreundeter Truppen" ist ein Verbrechen. Die Kriegsverbrechen der USA, zu Beginn des Feldzuges in Afghanistan und die Folterpraktiken unserer Verbündeten unter Präsident Bush waren nie ein Thema in Deutschland.


Afghanistan und Präsident Obama
Manches wird sich unter dem US-Präsidenten Obama sicher verbessern. Doch den Krieg in Afghanistan will er fortsetzen, ausweiten und neue Truppen entsenden. Ungerechte Angriffskriege haben in der amerikanischen Geschichte die Präsidenten beider großer Parteien geführt, denn die amerikanische Politik wird nicht zuletzt von den Konzernen gemacht die an Kriegen gut verdienen. Wenn Präsident Obama diese Erwartungen nicht erfüllt, dann ist sein Leben bedroht.

Der "Kampf für die Menschenrechte" in Afghanistan
wurde bisher mit Folter und Menschenrechtsverletzungen geführt. Wer Folterer unterstützt (wie die deutschen Truppen in Afghanistan in der Vergangenheit) macht sich mitschuldig. Doch diese Debatte wird in Deutschland nicht geführt. In erschreckend vielen bundesdeutschen Medien wurde die Folterpraxis unter Präsident Bush in schönsten Neusprech "Umstrittene Verhörmethode" genannt.


Der schöne Glaube einen "sauberen" Afghanistankrieg
führen zu können ist Illusion. Es gibt keinen sauberen Krieg. Auch die afghanische Regierung lässt foltern. Am 5. November 2007 ist die kanadische Regierung "glaubwürdig" über die Misshandlung eines Gefangenen informiert worden, der von den kanadischen Einheiten an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden war. Nach Medienberichten werden auch Kinder von der afghanischen Polizei gefoltert.

Die Befreiung der afghanischen Frauen vom Tschador
war zur Zeit der blutigen sowjetischen Invasion in Afghanistan ein wichtiges Argument der DKP für den Krieg. Heute wird dieses Argument auch in Wikipedia gerne vorgetragen um die politische Linke zum Schweigen zu bringen. Die Befreiung der Frauen aus Unterdrückung wurde und wird von den Kriegsbefürwortern immer wieder zur Rechtfertigung jedes Krieges missbraucht. Doch der Schleier war und ist lange vor dem Taliban in fast allen ländlichen Gebieten das alltägliche Kleidungsstück der Frauen. Unser Bild dieses mittelalterlichen Landes wird von Berichten über Kabul geprägt.
Wenn es um die Befreiung der afghanischen Frauen vom Tschador geht, dann stellt sich die Frage wann die ISAF in Saudi Arabien einmarschiert. Frauen- und Menschenrechte bei unseren "Verbündeten" im "Kampf um die Freiheit" sind kein Thema.

Wichtig wäre es endlich einmal
Frauen und Männer in diesem geschundenen Land nach ihren tatsächlichen Wünschen zu fragen und dieses „Meinungsbild“ nicht den Werbeabteilungen der jeweils kriegsführenden Länder zu überlassen. Eines haben die Afghanen in ihrer langen Geschichte immer wieder gezeigt. Fremdbestimmung und fremde Truppen im eigenen Land wollen sie nicht.Das galt in der Vergangenheit für die Soldaten des britischen Empire, für die sowjetischen Truppen und mit großer Wahrscheinlichkeit gilt dies auch für die aktuelle Besetzung. Langfristig werden landesfremde Taliban aber auch nicht geduldet werden.


Afghanistan Krieg / Kriegsweihnacht


Afghanistan Krieg / Kriegsweihnacht 2009 - Klicken Sie hier für eine vergrößerte Version der Grafik, die Sie gerne als Kleinplakat, oder auf Ihrer Homepage, verwenden können




Warlords in Afghanistan
Wieso der Rückhalt auch der deutschen Truppen in der afghanischen Bevölkerung nach acht Jahren Besatzung so gering ist, lassen Recherchen des Journalisten Marc Thörner erahnen. Die Recherchen belegen - zuletzt ein Feature im Deutschlandfunk-, dass die Kooperation der Bundeswehr mit afghanischen Warlords, die die eigentlichen Machthaber in der deutschen Besatzungszone Nordafghanistans sind, zu Lasten der großen Mehrheit der Bevölkerung geht. Zu diesen Warlords gehört insbesondere der Gouverneur in Mazar-e-Sharif, Mohammed Atta Noor. "Wenn Sie beispielsweise zu einem durchschnittlichen Afghanen, der im Norden lebt, über Gouverneur Atta sprechen", berichtet ein Beobachter in Thörners Radio-Feature, "würden Sie hören: Er ist ein Mörder, ein Killer, ein Krimineller. Aber die ISAF-Staaten stellen sich taub." Die Ursache: "Im Norden wäre insgesamt die vergleichbar ruhige Situation nicht möglich", erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Berliner Verteidigungsministerium Thomas Kossendey, "wenn wir nicht mit dem Gouverneur und mit den administrativen Spitzen gut zusammenarbeiten könnten”

Thörner deckt auf, dass es unter der Herrschaft des Tadschiken Atta Noor seit Jahren zu systematischen Morden insbesondere an Angehörigen der paschtunischen Minderheit kommt - offenkundig mit dem Ziel, die Macht des Gouverneurs zu festigen und ihm sowie seinen Parteigängern neuen Grundbesitz zu verschaffen. Dies geschieht unter den Augen der bundesdeutschen Besatzer, die nicht einschreiten, weil sie auf Atta angewiesen sind, um das Gebiet zu kontrollieren. Thörners Recherchen lassen es als möglich erscheinen, dass Warlord-Machenschaften gegen die paschtunische Minorität auch bei den afghanischen Informanten im Spiel waren, aufgrund deren Angaben der Luftschlag vom 4. September bei Kunduz angeordnet wurde. Diese Informanten hatten die Zivilisten rings um die Tank-Lkws pauschal "Taliban" genannt - eine Praxis, die Beobachtern zufolge im tadschikischen Umfeld Attas nicht unüblich ist
Quelle: german-foreign-policy 11.12.09



In der deutschen Öffentlichkeit wurde dieser Krieg
lange Zeit nicht als Krieg wahrgenommen. Es ging ja scheinbar nur um "praktizierte Sozialarbeit" im friedlichen Teil des Landes. Dieser real existierende "Nichtkrieg" erinnert verstörend an George Orwells Beschreibungen von Kriegen in einer Gedankendiktatur.

Die Angriffe der Taliban auf die Truppen werden als Terror bezeichnet.
Die gleiche furchtbare Art der asymetrischen Kriegsführung der Taliban wurde in der Vergangenheit in den westlichen Medien noch als "Freiheitskampf" bezeichnet. Damals kämpften die Taliban mit amerikanischen Waffen und den gleichen Methoden allerdings noch gegen die sowjetischen Truppen...


Asymmetrische Kriege hoch technisierter Armeen
gegen schlecht ausgerüstete Truppen (Tornado contra Gewehr) führen in letzter Konsequenz zu einer, regional nicht mehr eingrenzbaren, Zunahme von Selbstmordattentaten. Der "High Tech Krieg" der USA im Irak kostete wöchentlich bis zu 2 Milliarden US Dollar (Schätzung ARD). Doch millionenschwere Jagdflugzeuge und Hubschrauber nützen wenig gegen Selbstmordattentäter. Sie nützen den Rüstungskonzernen. So ist zu befürchten, dass die Seuche der Selbstmordattentate nicht mit militärischen Mitteln eingrenzbar ist. Und die Terrorcamps mit Anleitung zum Bombenbau gibt es eben nicht in Afghanistan, sondern im Internet und die Bombenmaterialien beim Düngemittelhändler in der Nachbarschaft. Der Terror, den der Krieg unterbinden soll, wird weltweit verstärkt. Hier müssen nicht militärische Gegenstrategien entwickelt werden um drohende Katastrophen, und den aufgrund der Terrorausweitung unweigerlich folgenden Ausbau des Überwachungsstaates, zu verhindern. Doch an nicht militärischen Gegenstrategien haben die Vertreter der Waffenlobby in den Parlamenten verständlicherweise kein Interesse.


Nach und nach, in vielen kleinen Schritten
werden wir in Afghanistan in einen nicht gewinnbaren Krieg gezogen. Ich will nicht erst dann meine Stimme erheben, wenn die Luftwaffe immer mehr Zinksärge nach Deutschland bringt.
(Dieser Satz aus meinem ersten Text zum Krieg ist zwischenzeitlich erschreckende Realität)

"Wir werden diesen Krieg nicht gewinnen",
sagte Mark Carleton-Smith, britischer Luftwaffen-Brigadegeneral in Afghanistan, jetzt in einem Interview mit der "Sunday Times". Seine Truppen hätten den radikal-islamischen Taliban für das Jahr 2008 zwar "den Stachel gezogen". Es sei aber "unrealistisch", zu glauben, dass die internationalen Truppen das Land von den Rebellen befreien könnten. Die Öffentlichkeit solle ihre Erwartungen zurückschrauben und nicht mit einem "militärischen Sieg" rechnen, sagte Carleton-Smith.

Der ranghöchste unter den 7800 britischen Soldaten in Afghanistan empfahl seinen Landsleuten, sich auf ein mögliches Abkommen mit den Taliban einzustellen. Wenn die Rebellen bereit seien, "auf der anderen Seite des Tisches Platz zu nehmen" und über eine politische Einigung zu sprechen, sei das "eine Art Fortschritt".
Quelle: Der Spiegel vom 5.10.08



„Das Trauerspiel von Afghanistan
Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.“


Quelle: Auszug aus dem Gedicht von Theodor Fontane von 1858
über die Niederlage der Engländer in Afghanistan


Was können wir glauben?
Die offene und umfassende Berichterstattung in den Medien, der allabendliche Fernsehkrieg und die unzensierten Bilder über die Gräuel des Krieges in Vietnam hatten den Widerstand der Friedensbewegung weltweit angefacht, und dieser Widerstand war mit ein Grund für den Rückzug und die Niederlage der Amerikaner. Die Militärs haben ihre Lektion gelernt. Der nur scheinbar saubere Krieg in Afghanistan, den Werbeagenturen im Armeeauftrag inszenieren, ist nicht zuletzt das Ergebnis der verlorenen Medienschlacht in Vietnam. Was können wir glauben, nach dem Kriege wie der im Irak mit Lügengeschichten begonnen wurden?

Im Vietnamkrieg
wurden die zivilen Opfer im Fernsehen noch gezeigt. Jonathan Steele nannte im „The Guardian“ ein Zahl zwischen 20.000 bis 49.600 Menschen, welche als Konsequenz durch die Invasion in Afghanistan starben. Doch in den Nachrichten werden die zivilen Opfer der Angriffe beinah nicht mehr gezeigt.

Wenn seit dem Vietnamkrieg die Zensur "besser" wurde, spricht das nicht für eine Weiterentwicklung unserer Demokratie.



Die Badische Zeitung berichtete am 28.7.2007: "Die Bundeswehr hat den Zugang der Presse zu den in Afghanistan stationierten Soldaten massiv erschwert. Seit über einem Jahr kann man nur mit Soldaten reden, wenn ein Aufpasser dabei ist und wenn höchste Stellen in Berlin eine Genehmigung erteilen. Diplomaten und hohe Militärs dürfen häufig nichts sagen. Ihre Chefs in der Heimat fürchten, sie könnten etwas Unangenehmes preisgeben."

Die "Einschränkungen" bei der ZDF Berichterstattung über Afghanistan
trieb einen bekannten ZDF Journalisten in die Schweiz. Ulrich Tilgner (60) berichtet seit 1982 über den Nahen und mittleren Osten. Seit 2002 leitet der gebürtige Bremer das ZDF-Büro in Teheran. Doch 2008 hat er seinen Vertrag mit dem ZDF nicht mehr verlängert. Seit dem 1. April 2008 arbeitet er vor allem für das Schweizer Fernsehen.
Der prominente Nahostexperte begründet seinen Schritt damit, dass er sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt fühlt, "gerade auch was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben." Es gebe Bündnisrücksichten, die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten.

Quelle: "Migros-Magazin"

Erschreckend ist der Mangel
an öffentlicher Debatte und Protest zu diesem wichtigen Thema. Gegen den "großen Krieg" im Irak gab es einen breiten Widerstand. Die Durchsetzungsstrategen und Akzeptanzforscher haben daraus ihre Lehren gezogen. Nach und nach und beinah ohne Widerstand schlittern wir in einen Krieg den auch die deutsche Bevölkerung nicht will.

Die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte
und der Genfer Konventionen gehört zu den großen Aufgaben der Menschheit. Mit der Unterstützung von Streubomben, Folter und Krieg, bei denen die Menschenrechte nur vorgeschoben werden, um andere Kriegsziele zu tarnen, wird dieses Ziel nicht erreicht. Nicht nur in Diktaturen müssen Demokratie und Menschenrechte durchgesetzt und dauerhaft gesichert werden. Demokratie ist stets auch ein Übergangszustand. Wohin die Reise geht, liegt an uns.


Axel Mayer , Kreisrat, Endingen





Afghanistan - Krieg

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wichtige Links:
Afghanistankrieg: Lügen und Kriegspropaganda
Krieg gegen Iran: Der drohende Krieg ist ein
Atomkraftwaffenkrieg!

Irak Krieg Rede - Wir haben keine Chance - nutzen wir sie!
Das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten des Deutschen Bundestages in Sachen Afghanistan Krieg und Tornado Einsatz
Irak - Krieg: Demokratie, Kriegslügen und die Verantwortung der Presse
Menschenrechte im Krieg ( Irak, Iran, Afghanistan... )


Wie lange noch Krieg in Afghanistan?


Fünfmal sind in den letzten 200 Jahren ausländische Mächte in Afghanistan eingedrungen und viermal wurden sie besiegt. Zuletzt die Sowjetunion. Kann die neue Afghanistan-Strategie dieser Woche etwas daran ändern, dass dieses Land in Zentralasien bisher immer wieder zum Friedhof der Eindringlinge wurde?

Eine neue Strategie wurde notwendig, weil die alte kläglich gescheitert war. Der letzte Afghanistan-Krieg dauert nun schon länger als der Erste und Zweite Weltkrieg. Gemessen an den vielen Afghanistan-Konferenzen, Friedensmissionen und an den unzähligen Entwicklungs-Milliarden müsste das Bergland längst ein Hort des Friedens und eine Oase der Freiheit sein.

Doch die Lage ist eine ganz andere: Vor drei Jahren war noch die Hälfte des Landes unter Taliban-Herrschaft, heute sind es 80 %. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen stieg von 26 auf 47 %. Die Situation der Frauen, von George Bush immer als Kriegsgrund genannt, hat sich nicht wesentlich verbessert und die Fortschritte bei der Alphabetisierung des Landes sind bescheiden. Das einzige, was wirklich blüht in Afghanistan, sind die Mohnfelder und die Korruption. Präsident Karsai ist als Wahlfälscher entlarvt. Und dafür Krieg mit steigenden zivilen Opfern und gefallenen Soldaten aus vielen Ländern?

Die „neue“ Afghanistan-Strategie dieser Woche bewies eher taktische Verlegenheit. Alles, was jetzt anders werden soll, wurde schon ausprobiert, auch die Zusammenarbeit mit „gemäßigten Taliban“. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Der Wiederaufbau gelingt nur schleppend und die Regierung in Kabul ist nicht wirklich demokratisch legitimiert. Kein Wunder, dass der Widerstand gegen diesen Krieg weltweit wächst. Die 42 kriegführenden Staaten machen in Afghanistan alle Fehler, welche zuvor die Sowjets und die Engländer gemacht haben. Die Herzen der Afghanen hat noch kein Eindringling gewonnen. Aber darauf käme es an.

Sehr wahrscheinlich bewirken immer mehr Soldaten immer mehr Opfer und Gewalt und Leid in dem geschundenen Land am Hindukusch. Die Welt muss in Afghanistan wohl noch einmal die uralte Erfahrung machen, dass wir ganz neue Strategien ziviler Entwicklung brauchen, wenn wir wirklich an Fortschritt, Wohlstand für alle, Demokratie und Freiheit interessiert sind.

Die Konferenz in London goss in dieser Woche lediglich neuen Wein in alte Schläuche. Wie lange noch Krieg in Afghanistan?

Quelle: Franz Alt 2010




Gefallene Bundeswehrsoldaten (Stand 29.Juni 2009)
Eine traurige Liste


Quelle: Frankfurter Rundschau

Beim Bundeswehreinsatz am Hindukusch sind bislang mehr als 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Nicht alle sind namentlich bekannt. Auch die Todesursache wurde nicht immer öffentlich. Einer von ihnen starb im usbekischen Termes, von wo aus die Lufttransporte nach Afghanistan abgewickelt werden. Die Bundeswehr führt zumindest keine externe Statistik über die gefallenen Soldaten. Lange war überhaupt nicht von Gefallenen die Rede.

  • 6. März 2002: Beim Versuch, eine russische Bodenluftrakete zu entschärfen, sterben die beiden Oberfeldwebel Thomas Kochert und Mike Rubel und drei dänische Kameraden.

  • 21. Dezember 2002: Bei einem Hubschrauber-Absturz in Kabul werden sieben Bundeswehrsoldaten getötet. Die Opfer sind Hauptmann Friedrich Deininger, Stabsunteroffizier Frank Ehrlich, Hauptfeldwebel Heinz-Ullrich Hewußt, Hauptfeldwebel Bernhard Kaiser, Hauptfeldwebel Thomas Schiebel, Hauptgefreiter Enrico Schmidt und Oberleutnant Uwe Vierling. Es ist das schwerste Unglück bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Ursache ist ein Materialfehler.

  • 20. März 2003: Hauptmann Holger Nippus stirbt unter nicht näher bekannten Umständen in Kabul.

  • 17. Mai 2003: Major Alexander Julius Hofert stirbt unter nicht näher bekannten Umständen südlich von Kabul.

  • 29. Mai 2003: Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen Isaf-Camps in Kabul auf eine Mine. Der Stabsgefreite Stefan Kamins stirbt.

  • 7. Juni 2003: In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet. Es handelt sich dabei um Stabsunteroffizier Jörg Baasch, Oberfähnrich Andreas Beljo, Feldwebel Helmi Jimenez-Paradis und Oberfeldwebel Carsten Kühlmorgen.

  • 17. Oktober 2004: Der Hauptgefreite Silvio Schattmann stirbt unter nicht näher bekannten Umständen in Kabul.

  • 25. Juni 2005: Hauptfeldwebel Andreas Heine und Oberfeldwebel Christian Schlotterhose sowie sechs Afghanen kommen bei einem Anschlag in Rustaqu nordöstlich von Kundus ums Leben.

  • 7. August 2005: Hauptgefreiter Boris Nowitzki stirbt südöstlich von Kabul bei einem Verkehrsunfall.

  • 14. November 2005: Oberstleutnant Armin Franz stirbt in Kabul durch einen Selbstmordattentäter in einem Auto.

  • 17. Dezember 2006: Oberfeldwebel Christian Kopp stirbt bei einem Munitionsunfall außerhalb von Kabul.

  • 19. Mai 2007: Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban-Terroristen auf einem Markt in Kundus werden zehn Menschen getötet, darunter Hauptmann Matthias Standfuß, Oberfeldwebel Michael Neumann und Hauptfeldwebel Michael Diebel.

  • 15. August 2007: Bei einem Bombenanschlag in der Nähe von Kabul kommen drei deutsche Polizisten ums Leben. Es sind Kriminaloberkommissar Jörg Ringel, Polizeiobermeister Alexander Stoffels und Polizeiobermeister Mario Keller.

  • 8. September 2007: Ein namentlich nicht bekannter Oberfeldwebel stirbt in Mazar-e-Sharif.

  • 25. August 2008: Der Hauptfeldwebel Christian Cemnitz stirbt in Termez (Usbekistan), wo die Bundeswehr einen Stützpunkt hat, über den die Einheiten in Afghanistan ihren Nachschub bekommen. Hier landen die Soldaten auch auf dem Weg nach Afghanistan oder nach Deutschland.

  • 27. August 2008: Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe der nordafghanischen Stadt Kundus in eine Sprengfalle. Hauptfeldwebel Mischa Meier erliegt seinen Verwundungen, drei weitere Soldaten werden verletzt.

  • 20. Oktober 2008: Bei einem Sprengstoffanschlag nahe der nordafghanischen Stadt Kundus reißt ein Selbstmordattentäter zwei Bundeswehrsoldaten, den Stabsunteroffizier Patrick Behlke und den Stabsgefreiten Roman Schmidt, mit in den Tod. Bei dem Anschlag sterben auch fünf in der Nähe spielende Kinder.

  • 14. März 2009: Bei einem Verkehrsunfall im Norden Afghanistans stirbt ein deutscher Soldat. Das geschützte Fahrzeug kam bei einer Patrouillenfahrt nahe des Feldlagers Feisabad von der Fahrbahn ab und überschlug sich. Zwei weitere Soldaten wurden leicht verletzt.

  • 29. April 2009: In der Nähe der nordafghanischen Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Der Hauptgefreite Sergej Motz stirbt, vier weitere Soldaten werden verletzt. Wenige Stunde zuvor werden bei einem Attentat in der Nähe des deutschen Feldlagers Kundus fünf deutsche Soldaten leicht verletzt.

  • 23. Juni 2009: Drei deutsche Soldaten sterben in der nordafghanischen Region Kundus in Folge eines Gefechts. Die Soldaten sollen bei einem Ausweichmanöver mit ihrem gepanzerten Fuchs-Transport-Panzer einen Unfall gehabt haben. Zwei Soldaten starben sofort. Ein dritter erlag später seinen Verletzungen. Zwei Soldaten, heißt es, seien verletzt worden.





Nachtrag:

Ein notweniger Preis? Deutsche Soldaten in Afghanistan
Auszug aus einem längeren Text im Stern



stern.de - 24.3.2009
Von Wolfram Weimer
Fünf Argumente sollten Deutschland dazu bewegen, diesen Krieg möglichst bald zu beenden.
 
 1. Das zeitliche Argument
Der Krieg in Afghanistan geht ins siebte Jahr. Damit sind alliierte Truppen dort mittlerweile länger im Einsatz als im Ersten oder Zweiten Weltkrieg. Wenn ein Kriegseinsatz nach einer derart langen Zeit aber nicht beendet ist, dann ist er verloren. Statt im Jahr sieben über den Abzug nachzudenken, bereitet die Bundeswehr sogar neue Vertiefungen des Einsatzes vor. Immer stärker werden deutsche Truppenteile - von Tornados bis zu Spezialkräften - auch bei Kampfeinsätzen im Süden hinzugezogen, immer tiefer werden deutsche Soldaten involviert in einen Aufreibungskrieg mit Partisanen. Es sieht so aus, als kämen nach sieben blutigen Jahren sieben noch blutigere Jahre.
 
2. Das verteidigungspolitische Argument
Die stärksten Argumente für den Afghanistan-Einsatz verweisen auf das Ausschalten von Terrorcamps in der Region einerseits (unmittelbarer verteidigungspolitischer Nutzen) und auf die Notwendigkeit von Bündnistreue des Westens andererseits (mittelbarer Nutzen). Das erste Kalkül ist spätestens an der Grenze zu Pakistan gescheitert. Denn nach all den Jahren Kriegseinsatz ist die Zahl der Terrorcamps in der Region keinesfalls kleiner geworden. Nicht einmal Osama bin Laden ist gefasst. Seine Kampftruppen haben sich verzogen und dadurch zu einer Destabilisierung Pakistans beigetragen. Dabei ist ein wankendes Pakistan viel gefährlicher als ein Taliban-Regime in Kabul. Kurzum: Das militärische Hauptziel des Afghanistankrieges (Vertreibung der Talibanterroristen, Aufbau eines demokratischen Partnerstaates, Stabilisierung der Region) ist nicht erreicht und wird - nach Aussagen der Kommandierenden - auch in Jahren nicht gelingen.

Aber auch die Bündnislogik stimmt nicht mehr. In den meisten Staaten sinkt die Akzeptanz des Krieges mit seiner Dauer, seinen Kosten und seinen Mißerfolgen. Zudem führt die ungleiche Lastenverteilung und die Zurückhaltung einer Mehrheit der Nato-Staaten zu inneren Verwerfungen im Bündnis. Immer stärker verfestigt sich der Eindruck, es handle sich auch im Falle Afghanistans um einen gescheiterten Bush-Krieg mit falscher Strategie.

Deutschland und die Nato machen daher einen schweren politischen Fehler, dass sie keine plausible "Exit-Strategie" vorlegen. Trotz steigenden Blutzolls sagt einem keiner, ob wir noch zwölf Monate, drei Jahre oder eine ganze Generation bleiben sollen. In Deutschland wird dieses Strategieversagen dazu führen, dass Extremisten ein Mobilisierungsthema zufällt. Denn zwei Drittel der Bevölkerung sind dem Afghanistaneinsatz gegenüber inzwischen negativ eingestellt, die politische Klasse in Berlin aber tut so, als könne sie der Öffentlichkeit eine einfache Antwort auf die Frage vorenthalten: Wann gehen wir da wieder raus?
 
3. Das ökonomische Argument
Betrachtet man den monströsen Militäreinsatz am Hindukusch einmal nutzenökonomisch, dann ist der Krieg vor allem sehr, sehr teuer. Die Berechnungen liegen zwischen 100 Milliarden Dollar (Pentagon), 200 Milliarden Dollar (Wissenschaft) und 300 Milliarden Dollar (Friedensbewegung). Der Anteil, den Deutschland zu zahlen hat, steigt ständig. Schon jetzt ist dieser Krieg der teuerste Außeneinsatz Deutschlands seit dem Weltkrieg. Hat es sich aber gelohnt, wenn die Sicherheitslage vor Ort ständig schlechter wird? Hat es sich gelohnt, wenn das Image des imperial auftretenden Westens Schaden nimmt? Hat es sich gelohnt, wenn die Region von Pakistan bis Iran instabiler wird? Hat es sich gelohnt, wenn Deutschland keine konkreten Vorteile aus der Präsenz zieht? Hat es sich gelohnt, wenn im Gegenteil die Drogenimporte aus Afghanistan steigen und die Drogenclans ihre Anbaugebiete laut Vereinten Nationen so stark ausgeweitet haben wie nie zuvor? Ökonomisch betrachtet ist dieser Krieg ein katastrophales Sub-Prime-Investment.
 
4. Das historische Argument
Aus einer historischen Perspektive ist dieser Krieg wie ein Riss in der vorderasiatischen Schallplatte der Weltgeschichte. Immer und immer wieder versuchen es die Mächte des Westens in dem unbezähmbaren Gebiet wilder, stolzer Völker mit Eroberungs- und Zivilisierungskriegen. Und immer wieder ist es vergebens. Wahrscheinlich unterliegen auch wir mit dem - durchaus gut gemeinten - Demokratie-Export einem Trugschluss. Denn Afghanistan würde auch nach Jahrzehnten Nato-Kriegs keine rechtsstaatliche Demokratie nach unserem Vorbild. Aus Perspektive der Weltgeschichte geschieht aber etwas anderes. Wir schaffen uns eine neue Kolonie. Militäreinsätze von solcher Länge, begleitet mit Zivilisationsinitiativen, sind selbst bei bester Absicht nichts anderes als Kolonialismus. Deutschland legt sich gerade ein Protektorat am Hindukusch zu. Nun kann man den Standpunkt vertreten, dass moderne Kolonien dem eigenen Interesse dienen könnten. Nur - dann sollten sie ökonomisch wenigstens attraktiver sein als diese Sand-, Stein- und Bergwüste.

5. Das moralische Argument

Es ist ein wenig aus der Mode gekommen, nach Opfern zu fragen. Nach Menschen, die sterben, die verkrüppelt werden oder seelisch zerstört aus Kriegseinsätzen zurückkehren. Nach Müttern und Kindern, die ihre Liebsten verlieren. Im politischen Raum gilt das als moralische Gefühlsduselei. Als lächerliche Kategorie. Wir haben uns an einen "realpolitischen" Blick auf Militäreinsätze gewöhnt, als wären wir alle Planungsstrategen des Pentagon. Wir glauben, es ginge darum, Krieg gegen Sicherheit zu tauschen - als ginge es um einen Fondssparplan der Weltpolitik. Die Nachrichten von Gefechten, Attentaten und Scharmützeln am Hindukusch nehmen wir mit einer Gleichgültigkeit zur Kenntnis als wären wir nicht dabei. Sind wir aber. Wenn eine Demokratie Krieg führt, muss sich jeder fragen, ob er selber bereit wäre, dem Kind eines gefallenen Soldaten zu erklären, dass es sich im Großen und Ganzen doch gelohnt hat. Tausende Tote hat der Krieg in Afghanistan unter den Einheimischen bisher gefordert, und auch die westlichen Alliierten betrauern bereits 800 Tote. Eine abstrakte Kategorie? Ein notwendiger Preis? Wenig? Zu viel!
(Ende des Auszuges aus dem Stern Artikel)


Nachtrag
Am 31.05.2007 berichtete -Monitor- über einen Brief des militärpolitischer Berater der Bundesregierung in Afghanistan. Dieser Insider Brief zeigt schonungslos die Realität des Krieges am Hindukusch. Der Berater kritisiert die -Eskalation der militärischen Gewalt in Afghanistan-. Es sei "unerträglich, dass die Koalitionstruppen und ISAF inzwischen bewusst Teile der Zivilbevölkerung und damit erhoffte Keime einer Zivilgesellschaft bekämpfen. Westliche Jagdbomber und Kampfhubschrauber verbreiten Angst und Schrecken unter der Zivilbevölkerung." "Wir sind dabei, durch diese unverhältnismäßige militärische Gewalt das Vertrauen der Afghanen zu verlieren", heißt es in dem Brief an den deutschen Außenminister weiter. Dabei sei "bekannt, dass es um die Verletzung des Kriegsvölkerrechts" gehe. Das Schreiben warnt vor einer schleichenden, völkerrechtswidrigen Ausweitung des ISAF-Mandats: "Das Militär droht sich zu verselbständigen und von den politischen und völkerrechtlichen Vorgaben zu lösen."
Politikern und Parlamentariern gegenüber werde "die militärische Lage unzulässig geschönt dargestellt. Auch deutsche Generäle beschönigen oder verschweigen eigene Probleme." Dabei sprächen "die ständigen Forderungen nach Truppenverstärkung, die steigenden Kosten des militärischen Engagements, das Anwachsen eigener Verluste und die wachsende Zahl ziviler Opfer eine eigene Sprache", mit der "die Ungeeignetheit und Ausweglosigkeit militärischer Gewalt als Lösung der inneren und äußeren Probleme Afghanistans" zum Ausdruck käme. (Zitatende / Monitor / 31.5.07)


Nachtrag

Der Mohn blüht wie nie zuvor


Die Drogenclans in Afghanistan haben ihre Anbaugebiete (im Jahr 2007) laut Vereinten Nationen so stark ausgeweitet wie nie zuvor. Die Schlafmohngebiete erstreckten sich nun auf einer Fläche von 104 000 Hektar. Diese Menge entspricht etwa der Weinanbaufläche Deutschlands, wie aus dem am Dienstag in Genf veröffentlichen UN- Jahres-Drogenbericht hervorgeht.
Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 27. Juni 2007


Nachtrag

Kriegstote im Afghanistankrieg


Quelle: Wikipedia
Opferzahlen: Krieg in Afghanistan (Stand vom 10. August 2008)
Bisher kamen insgesamt über 1000 Koalitionssoldaten ums Leben, darunter 30 Soldaten der Bundeswehr [9] Außerdem starben eine unbekannte Zahl afghanischer Soldaten und Aufständischer.

Offizielle Angaben zu zivilen Opfer liegen nicht vor, Schätzungen sind sehr unterschiedlich:
  • Laut Marc W. Herold's [10] kamen über 3.600 Zivilisten bei US-Bombardierungen ums Leben.
  • Jonathan Steele nannte im „The Guardian“ ein Zahl zwischen 20.000 bis 49.600 Menschen, welche als Konsequenz durch die Invasion starben.
  • Eine Studie der Los Angeles Times nannte eine Zahl von ca. 1.000 zivilen Opfern

    Verluste der Bundeswehr

    (Diese Angaben finden sich Ende Oktober 2008 nicht mehr bei Wikipedia. Wikipedia wird gerne von den Werbeabteilungen
    der kriegsführenden Parteien auch im Afghanistankrieg beeinflusst und manipuliert)


  • Am 6. März 2002 sterben in der Nähe von Kabul zwei Soldaten des Heeres, als sie eine Flugabwehrrakete vom Typ SA-3 Goa entschärfen wollten. Die Oberfeldwebel Thomas Kochert und Mike Rubel gehörten der Kampfmittelbeseitigungskompanie 11 mit Standort Munster in Niedersachsen an. Außer ihnen kommen auch drei dänische Soldaten ums Leben.

  • Am 21. Dezember 2002 kommen 7 Soldaten beim Absturz eines Militärhubschraubers vom Typ CH-53GS (German Special) nahe Kabul ums Leben: Hauptmann Friedrich Deininger, Stabsunteroffizier Frank Ehrlich, Hauptfeldwebel Heinz-Ullrich Hewußt, Hauptfeldwebel Bernhard Kaiser, Hauptfeldwebel Thomas Schiebel, Hauptgefreiter Enrico Schmidt und Oberleutnant Uwe Vierling. Sie gehörten den Heeresfliegerregimentern 15 und 25 an.

  • Am 29. Mai 2003 kommt der Stabsgefreite Stefan Kamins 12 Kilometer südlich von Kabul ums Leben, als sein Fahrzeug vom Typ Wolf auf eine Landmine fährt.

  • Am 7. Juni 2003 werden 4 ISAF-Soldaten durch eine Autobombe während einer Busfahrt zum Flughafen Kabul International Airport in Kabul getötet. Es handelt sich dabei um Stabsunteroffizier Jörg Baasch, Oberfähnrich Andreas Beljo, Feldwebel Helmi Jimenez-Paradis und Oberfeldwebel Carsten Kühlmorgen.

  • Am 26. Juni 2005 werden Hauptfeldwebel Andreas Heine und Oberfeldwebel Christian Schlotterhose in der Provinz Takhar in Rustaq getötet. Sie gehörten dem PRT Kunduz Provincial Reconstruction Team an und kamen beim Beladen von Lastwagen mit abgegebener Munition und Waffen um. Anfangs ging die Bundeswehr von einem Unfall aufgrund von Überlagerung der Muniton aus. Später stellte sich heraus, dass es ein Anschlag war.

  • Am 7. August 2005 kommt Hauptgefreiter Boris Nowitzki südöstlich von Kabul bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

  • Am 14. November 2005 wird Oberstleutnant d.R. Armin Franz in Kabul durch einen Selbstmordattentäter in einem Auto getötet. Zwei ihn begleitende Kameraden werden schwer verletzt.

  • Am 19. Mai 2007 werden bei einem Selbstmordanschlag auf einem belebten Markt in der nordafghanischen Stadt Kundus Hauptmann d.R. Matthias Standfuß und die Oberfeldwebel d.R. Michael Diebel und Michael Neumann getötet, zwei Soldaten werden schwer und drei weitere leicht verletzt. Die Opfer waren Beamte der Wehrverwaltung und hatten für die Dauer ihres Auslandseinsatzes den Status von Reservisten erhalten.

    Bislang sind damit 21 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan durch Anschläge und Unfälle ums Leben gekommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind vier weitere Soldaten in Afghanistan gestorben.





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    Dieser Artikel wurde 18623 mal gelesen und am 7.2.2010 zuletzt geändert.