Grundwasserversalzung -- Umweltskandal am Oberrhein (Buggingen, Breisach, Mines de Potasse...)


Veröffentlicht am 22.03.2020 in der Kategorie Wasser von Axel Mayer

Grundwasserversalzung -- Umweltskandal am Oberrhein


Seit Jahren engagiert sich der BUND in einem der schlimmsten Umweltskandale am Südlichen Oberrhein und versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Eine Strafanzeige durch den BUND gegen die Verursacher der Grundwasserversalzung hat zur größten Polizeiaktion in der Geschichte des Freiburger Wirtschaftskontrolldienstes geführt.

Kaliabbau in Südbaden


Seit Beginn des letzten Jahrhunderts wurde und wird im Oberrheingraben Kalisalz abgebaut. Als Abfallprodukt fällt Natrium-Chlorid ("Steinsalz") an. Die "Kalimandscharos", die Abraumhügel in Buggingen und Heitersheim, zeugen von diesem, in Baden historischen Abbau.Das Salz dieser Hügel wird seit Jahrzehnten durch den Regen ausgespült und trägt so zur Grundwasserversalzung bei. Um weitere Auswaschungen zu verhindern, darf nach Ansicht des BUND die Abdeckung des Bugginger Salzhügels nicht noch länger aufgeschoben werden. Hier beschleunigt unsere Anzeige den Fortschritt.

Das Kalibecken bei Mulhouse


Das Hauptproblem aber geht von den Minen im elsässischen Kalibecken (Mines de Potasse d'Alsace) bei Mulhouse (F) aus. Dort fand sich mehr Kali im Untergrund als in Südbaden und darum sind dort die ökologischen Folgeprobleme auch größer. Die Abraumhalden bei den großen Minen in Wittelsheim und Pulversheim, die jetzt gerade abgetragen werden, bilden grandiose, landschaftlich faszinierende Erosionslandschaften, die an tibetische Höhenzüge erinnern - allerdings bestehen die heimischen Hügel bis zu 90% aus Salz. So ergibt sich eine makabere Ästhetik der Umweltzerstörung. Die durch den Regen verursachten Auswaschungen der "Kalimandscharos" im Süden des Elsaß versalzen große Teile des Grundwassers der elsässischen Rheinebene bis in den Raum Sélestat! Hundert Jahre Industriegeschichte haben dazu geführt, dass ein wichtiger Teil des Grundwassers der Rheinebene zur Trinkwassergewinnung nicht mehr zu gebrauchen ist. Auch bei der aktuellen Sanierung dieser Hügel wurden unglaubliche Fehler begangen.


Salz im Rhein, Salz im Grundwasser


Auch die massive Versalzung des Grundwassers auf der badischen Rheinseite zwischen Bremgarten und Breisach ist indirekt auf die Kaliberge bei Mulhouse zurückzuführen. In einer offenen Betonrinne, einer Todesfalle für Wildtiere, wird seit Jahrzehnten hochkonzentrierte Salzlauge in den Rhein geleitet. Am AKW Fessenheim vorbei fließt die Salzbrühe in den kanalisierten Rhein. Bis zu 350 Kilogramm Salz pro Sekunde wurden vor wenigen Jahrzehnten noch eingeleitet. Noch 1991 strömten so in jeder Sekunde 115 Kilogramm Salz in die Haupttrinkwasserader von Millionen Europäern - jährlich 3,6 Mio. Tonnen Natrium-Chlorid. Erst durch massiven juristischen Druck der holländischen Umweltschützer und der Wasserwerke am Rhein wurde diese eingeleitete Menge reduziert.

In der Zeit von 1957 bis 1976 gab es zu allem Übel auf der Fessenheimer Rheininsel, gegenüber von Bremgarten, undichte, offene Zwischenlagerbecken für 520 000 m³ hochkonzentrierte Salzlauge. Diese großen Salzwasserbecken sollten sich nach Ansicht der "Experten" durch den im Salzwasser enthaltenen Lehm selbst abdichten. Leider hatten sich die "Experten" geirrt: Eine Million Tonnen Salz sind durch diese unglaubliche Schlamperei der Betreiber der Kaliminen, der Experten und der Kontrollbehörden "einfach so" ins Grundwasser versickert.

Auswirkungen


Wenige Kilometer unterhalb der Fessenheimer Rheininsel finden sich auch in Südbaden bereits jetzt bis zu 50 Gramm Salz in einem Liter Grundwasser - Meerwasser enthält im Schnitt nur 35 Gramm! Diese Salzlauge fließt ca. 100 Meter unterhalb der Geländeoberkante langsam nach Norden. Die verdünnte Spitze der Salzfahne bereitet der Wasserversorgung in Breisach langsam Probleme. Das versalzte Tiefenwasser darf unter keinen Umständen mit dem sauberen Oberflächenwasser vermischt werden. Einschränkungen beim Kiesabbau sind zu erwarten.

Längerfristige Prognosen für die Rheinebene nordwestlich des Kaiserstuhls sind schwer zu erstellen; Probleme für die Wasserversorgung, ähnlich wie in Breisach, sind möglich. Die wertvollsten Grundwasserreserven des Oberrheingebiets sind betroffen.

Verursacherprinzip?


Der BUND hat es auch hier im Dreyeckland immer wieder erlebt, wie Firmen jahrelang profitabel gearbeitet haben und die ökologischen Folgekosten ihres Handelns auf die Allgemeinheit abwälzten. Die Kaliminen im Elsaß arbeiten noch bis zum Jahr 2004; dann sind die Vorkommen erschöpft. Solange die Staatsfirma noch Geld hat, sollte das Verursacherprinzip strikt angewendet werden - wie bei kleinen Umweltsündern auch. Nicht die Wasserverbraucher, sondern die Betreiber der Kaliminen sollen die Zeche zahlen! Es ist Aufgabe des BUND, dafür zu sorgen, dass Umweltschutz nicht nur auf dem Rücken der Kleinen praktiziert wird.

Strafanzeigen


Aus diesen Gründen hatte BUND-Geschäftsführer Axel Mayer die Verursacher des Umweltskandals (Mines de Potasse d'Alsace und die Kali Salz AG) auf beiden Rheinseiten angezeigt. Die französische Staatsanwaltschaft hat das Verfahren mit folgender fadenscheinigen Begründung eingestellt: "Der BUND ist selbst nicht betroffen und er ist auch kein französischer Umweltverband." Die betroffene Stadt Breisach könnte also klagen. Die BUND-Anzeige hat immerhin die größte Polizeiaktion in der Geschichte des Freiburger Wirtschaftskontrolldienstes ausgelöst. Bei der beschuldigten Firma in Norddeutschland wurden Unterlagen beschlagnahmt. Diese klagen jetzt gegen die Genehmigungsbehörden im Landkreis Breisgau Hochschwarzwald. Wir sind gespannt, wie das Verfahren ausgehen wird.

In Buggingen versalzt seit Jahrzehnten der Abraumhügel "Kalimandscharo" das Grundwasser und das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald schläft!
1973 wurden zusätzlich zum Salz-Problem auch 570 Tonnen hochgiftige Härtesalze in fast 2.900 Fässern im stillgelegten Bergwerk eingelagert...

Von der Abraumhalde des ehemaligen Kalibergwerks im südbadischen Buggingen gehen täglich bis zu 2,5 Tonnen Salz ins Grundwasser. Diese durch eine parlamentarische Anfrage bekannt gewordene Tatsache übertrifft bei weitem unsere schlimmsten Befürchtungen und wirft ein Schlaglicht auf das Versagen der Behörden im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Im südbadischen Buggingen wurde von 1922 bis 1973 Kalisalz abgebaut. Der Abraumhügel, im Volksmund "Kalimanscharo" genannt, besteht zum Teil immer noch aus Steinsalz. Insgesamt 200.000 bis 250.000 Tonnen Steinsalz befinden sich noch in diesem Hügel.

Von 1922 bis 1973 wurde von der Kali und Salz AG und deren "Rechtsvorgängern" die Bugginger Mine betrieben und brachte den Firmen Gewinn. Seit 1922 läuft Salz von der Abraumhalde ins Grundwasser. Es gab nie eine Bestrafung der Verantwortlichen für die Grundwasserversalzung und die teuren Untersuchungen des Grundwassers zahlte bisher stets die Allgemeinheit (auch mit Interreg-Geldern). Lange versuchte die Kali und Salz AG sich auch noch vor den Kosten der Sanierung zu drücken und diese der Allgemeinheit aufzulasten.

Um eine Bestrafung der Verantwortlichen zu erreichen und um das Verursacherprinzip durchzusetzen, hatte der BUND-Regionalverband schon im Dezember 1997 die Verantwortlichen für die Grundwasserversalzung angezeigt und damals die größte Razzia in der Geschichte des Freiburger Wirtschaftskontrolldienstes bei der Firma K+S ausgelöst. In einem Rechtsstreit mit Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald unterlag die K+S und eine Sanierungsuntersuchung wurde angeordnet. Seit dem Jahr 1997, also seit über zwei Jahrzehnten, verlangte der BUND, zunehmend ungeduldig, immer wieder eine schnelle, gründliche Sanierung der Abraumhügel. Bisher wurde nur die Sanierungsuntersuchung angeordnet. Allein bis zu deren endgültiger Rechtskraft nach Überprüfung durch den VGH Baden-Württemberg im Jahre 2008 hat es gut 10 Jahre gedauert.

Die Sanierung selbst ist immer noch nicht angeordnet, obwohl Tag für Tag bis zu 2,5 Tonnen Salz ins Grundwasser wandern. Die „Vertragsabstimmungen“ zwischen dem Land und der K+S Aktiengesellschaft hierzu „laufen derzeit“: Was lief die letzten Jahre seit 2008?

Es gibt eine wachsende Ungeduld und zunehmende Verärgerung über diese ewige Verschleppung der Sanierung und über dieses Messen mit zweierlei Maß: Wer im Winter Streusalz streut, muss in vielen unserer Gemeinden zurecht mit einem Bußgeld rechnen. Gleichzeitig läuft in Buggingen seit Jahrzehnten Salz ins Grundwasser. Das Umweltrecht muss auch bei den großen Umweltvergiftern angewandt werden und dazu gehört neben der Sanierung auch die Bestrafung!

Die viel größeren Abraumhalden im elsässischen Kalibecken sind längst saniert, nur in der selbsternannten Ökoregion Südbaden tut sich über ein Jahrzehnt lang nichts Erkennbares.

Grundwasser ist ein wichtiges Nahrungsmittel und ein wertvoller Schatz. Wir bitten Sie sehr, sich dieses Umweltskandals anzunehmen, den Vorgang zu beschleunigen, endlich die konkrete Sanierung schnell umzusetzen und uns zeitnah über Ihr Vorgehen zu informieren.

Axel Mayer, (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Übersicht 2020: Wasser, Grundwasser, Trinkwasser, Wasserverschmutzung und Rhein auf Mitwelt.org


Aktueller Einschub:


In vielen Bereichen hat die Umweltbewegung Erfolge erzielt. Nur im Bereich der Grundwasserbelastung mit Nitrat hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer die Agro-Chemie-Lobby und die Landwirtschaft durchgesetzt. Aktuell wird überall in Deutschland mit "Grünen Kreuzen" für eine Weiterführung der Grundwasserbelastung demonstriert. Leider schaden sich die existenziell bedrohten kleinen und mittleren Landwirte mit dieser Kampagne selber, denn sie nützt nur der politisch gewollten "großen Agrarfabrik".







Mitwelt-Warnungen 2020 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)