Erste ökologische Zeitenwende: Vor 20 Jahren - Eine „ökologische Zeitenwende“ nicht nur am Oberrhein


Veröffentlicht am 28.02.2016 in der Kategorie Sonstiges von Axel Mayer

Erste ökologische Zeitenwende: Vor 20 Jahren - Eine „ökologische Zeitenwende“ nicht nur am Oberrhein



Es ist immer schwierig und immer auch falsch, den Zeitpunkt einer „Zeitenwende“ punktgenau zu bestimmen. Dennoch könnte aus regionaler Sicht ein umweltpolitischer Erfolg vor 20 Jahren am Oberrhein für eine solche Wende stehen.

Rot, blau, gelb...
in allen Regenbogenfarben färbte sich bis vor zwei Jahrzehnten der Rhein unterhalb der beiden Rohre der elsässischen Papierfabrik Kaysersberg gegenüber von Breisach. Eine erste BUND-Recherche ergab, dass hier tatsächlich die letzte Papierfabrik am Oberrhein noch ohne Kläranlage arbeitete und seit vielen Jahrzehnten mit Farben und Schwermetallen den Rhein vergiftete.

"Eine Kläranlage muss her",
unter diesem Motto kämpften der BUND und Alsace Nature gemeinsam gegen die aus heutiger Sicht unglaubliche Rheinverschmutzung an. Die klassische Umweltverschmutzung wurde mit den klassischen Methoden der Umweltverbände angegangen und im Jahr 1996 beugte sich die Usine Kaysersberg dem Druck und eine moderne Kläranlage wurde eingebaut. http://www.bund-rvso.de/reiner-rhein-erfolge.html

Für BUND-Geschäftsführer Axel Mayer (1976 vor dem abgesägten Abflussrohr der Usine Kaysersberg)
endete mit diesem Erfolg am Oberrhein die Hauptzeit der „klassischen alten, offen, sichtbaren“ Umweltverschmutzung im Bereich der Wasserverschmutzung, auch wenn es immer noch viele Probleme gibt.
Vorangegangen waren die großen Konflikte um FCKW und Ozonloch, die Debatte und vielfältige Aktionen und Demos auch am Oberrhein gegen das Waldsterben und gegen die massive Luftverschmutzung, die schon 1974 mit der erfolgreichen Bauplatzbesetzung gegen ein umweltvergiftendes Bleichemiewerk in Marckolsheim (F) begonnen hatten.

Die immer mühsamen und heftigen Konflikte waren dennoch damals einfacher.
„Gut und Böse“ waren noch einfacher auseinander zu halten und die Durchsetzungsstrategien und Greenwash für Umweltzerstörung war noch nicht so perfekt wie heute.
Die Proteste und Aktionen von BUND und Umweltbewegung gegen das Waldsterben und für saubere Luft, reinere Flüsse, für alternative Energien und für eine menschengerechte Umwelt führten mittel- und langfristig zu massiven Verbesserung der Umweltsituation und zu einer Zunahme des Umweltbewusstseins. Gesetze wurden auf Druck der Umweltbewegung und gegen die Lobbyisten verschärft, der PKW-Katalysator wurde eingeführt, verbleites Benzin wurde verboten, Kraftwerke und Industrieanlagen wurden entstickt, entschwefelt und zum Teil technisch auch sicherer. Der Konflikt um die Flachglasfabrik im Elsass führte dazu, dass diese – entgegen der ursprünglichen Planung – eine Entstickungsanlage erhielt. Eine von vielen Ursachen der Walderkrankungen war der Ausstoß von Schwefeldioxid und der damit verbundene saure Regen. Hier brachte der Protest die größten Erfolge. "So konnten zum Beispiel alleine in Baden-Württemberg die SO2-Emissionen von 334.200 Tonnen 1973 auf 58.800 Tonnen 1995 reduziert werden, was einem Rückgang um über 80 % entspricht." schreibt die LUBW Baden-Württemberg.

Um das Jahr 1996 endete am Oberrhein und in Deutschland langsam das Zeitalter der "alten, offenen, sichtbaren Umweltverschmutzung“ auch wenn die immer noch laufenden AKW an die damalige Zeit erinnern. Auch „Rückfälle“ sind immer möglich. Dies zeigt u.a. die Jagstkatastrophe im Jahr 2015, bei der die grob fahrlässige Lagerung großer Mengen Stickstoffdünger in unmittelbarer Gewässernähe und eine nicht vorbereitete Feuerwehr zu einem riesigen Fischsterben führte.

Die aktuellen, großen Herausforderungen für den BUND und die Umweltbewegung
sind die Fragen der Nachhaltigkeit, des Klimawandels und des endgültigen Atomausstiegs, die regional und global bedrohte Biodiversität und der Flächenverbrauch, die Endlichkeit der fossilen Energieressourcen und Rohstoffe, die Bedrohung des Weltfriedens durch die Verbreitung von Bio- und Atomwaffen, die Bekämpfung von Fluchtursachen, Innenweltverschmutzung und die Beantwortung der Frage, wie sich nach dem jetzigen Zeitalter der Habgier und des Raubbaus mit einem massiv verringerten Input an Energie, Rohstoffen und Arbeitszeit ein gutes Leben führen lässt. Die Hintergründe vieler aktueller Probleme sind Habgier, undemokratische Banken- und Konzernmacht, Freihandel, Staatsgläubigkeit, Bürokratie, Deregulierung der Finanzmärkte, Überkonsum, Wachstumswahn, soziales Unrecht, Energie-, Rohstoff- und Arbeitszeitverschwendung... Wir leben in einem System, das nur funktioniert, wenn es wächst und sich damit zwangsläufig selbst zerstört. Am Oberrhein haben wir mit viel Mühen in Teilbereichen die globalen Zerstörungsprozesse entschleunigt. Es gibt für den BUND und die Umweltbewegung noch viel zu tun.

Eines steht 20 Jahre nach dem Erfolg für einen sauberen Rhein fest:Die Umweltbewegung wird für das gelobt, was sie in der Vergangenheit getan und erreicht hat und sie wird dafür kritisiert, was sie aktuell fordert und durchsetzen will“

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident Atomschutzverband TRAS


*Hier geht´s zu Umweltgeschichte in Südbaden, Elsass und Nordschweiz


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