Biodiversität - Naturschutz - Artenvielfalt & Artenschutz in Südbaden, im Elsass, im Schwarzwald und am Oberrhein
Veröffentlicht am 01.05.2022 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer
Biodiversität - Naturschutz - Artenvielfalt & Artenschutz in Südbaden, im Elsass, im Schwarzwald und am Oberrhein
Bedrohte Natur & Naturschutz: Baden, Elsass & Oberrhein - Der stille Verlust der Vielfalt
Dieser Text von Axel Mayer über die Situation der bedrohten Natur in Baden, Elsass und am Oberrhein ist altmodisch lang.
Er bietet keine modischen Infohäppchen, sondern wendet sich an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
Der Schwarzwald mit seinen Vorbergen, die Vogesen, der Kaiserstuhl, die Rheinauen, die Elzwiesen und das elsässische Ried und der Harthwald (Forêt de la Harth): Manche Gebiete am Oberrhein gehören zu den schönsten und wertvollsten Naturlandschaften Europas, mit einer immer noch faszinierenden und reichhaltigen Flora und Fauna. Das grenzüberschreitende „Paradies am Oberrhein“ wurde in Büchern beschrieben und die alljährlichen Regio-Kalender zeigen immer faszinierendere Fotos. Ein Spaziergang in einer stillen Stunde im Kaiserstuhl oder im Naturschutzgebiet Bollenberg bei Rouffach im Elsass ist immer noch ein Glücksmoment und nur den Kennern fällt auf, wenn die Stimmen der Feldlerchen fehlen und wenn selbst in dieser geschützten Restnatur die Zahl und Artenvielfalt der Schmetterlinge bedrohlich schnell schwindet. Schon die nächste Generation wird diesen stillen Schwund nicht mehr bemerken, denn bereits heute kennen die wenigsten jungen Menschen noch die Stimme der ins Blau aufsteigenden Lerche.
Die letzten Jahrzehnte waren keine gute Zeit für das „Paradies am Oberrhein“ für Landschaft, Natur und Artenvielfalt in Südbaden und im Elsass. Weltweit beschleunigt sich das Artensterben und ein UN-Bericht sagt, dass etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten in den kommenden Jahrzehnten für immer verschwinden könnten und dieser verheerende globale Trend spiegelt auch die Realität am Oberrhein.
Feldlerche und Rebhuhn, Grauammer und Wachtel, einst häufige Arten in der Agrarlandschaft, sind in vielen Gebieten der Rheinebene bereits verschwunden. Der große Brachvogel und der Kiebitz stehen vor dem Aussterben und die Bestände des Feldhasen gehen drastisch zurück. Besorgniserregend ist bei den Vögeln insbesondere der Rückgang der „Allerweltsarten“.
Insektensterben und Artenausrottung nicht nur in Nordwestdeutschland
Ein internationales Forscherteam hat die dramatischen Befunde zum Insektenrückgang in Nordwestdeutschland bestätigt. Die Forscher stellten damit die Beobachtungen des Entomologischen Vereins Krefeld auf eine wissenschaftlich abgesicherte Basis. So ist mit den Biomasseverlusten bei Fluginsekten von 76 bis 81 Prozent seit den 1990er Jahren ein klarer Negativ-Trend erkennbar und dieses Insektensterben findet auch am Oberrhein statt. Selbst in unseren naturnahen Gärten und großen Naturschutzgebieten beschleunigt sich das Insektensterben. Die Insektenvergiftung führt zum Vogelsterben und nicht nur Schwalben und Fledermäuse hungern.
„Ich untersuche die Tag- und Nachtfalter in der Oberrheinebene seit 30 Jahren regelmäßig und sowohl die Artenzahlen als auch die Faltermengen gehen insgesamt stark zurück. Es fällt auf, dass auch Wiesen, die selbst nicht zerstört wurden, aber in der Agrarlandschaft unmittelbar den Randeinflüssen der gespritzten Kulturen ausgesetzt sind, nur noch von wandernden Faltern besucht werden. Wiesen im Wald sind oft noch nicht so betroffen. Die bunten Wiesen der Hochwasserdämme in der Aue sind vom Wald abgeschirmt und geschützt und darum immer noch Falter-reich. Im Kaiserstuhl haben sich einige Arten nur noch in den windgeschützten Tälern gehalten. Da wundert man sich natürlich nicht, dass neben Schmetterlingen und anderen Insekten auch Singvögel und Fledermäuse selten werden.“ sagt Jörg-Uwe Meineke, Schmetterlingsexperte und ehemaliger Leiter des Referats für Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg.
Flächenverbrauch: Der Verlust der landschaftlichen Vielfalt
Wer auf der B3 von Müllheim nach Offenburg fährt, sieht immer weniger Natur. Es entsteht ein durchgängiger, gesichtsloser Siedlungsbrei. Zwischen Freiburg und Offenburg bleiben auf der Strecke von 68 Kilometern heute nur noch 17 Kilometer Freiraum. Auf beiden Rheinseiten wuchern ohne jegliche erkennbare Raumordnung die hässlichen, neonschrillen Ortseinfahrten, Gewerbesteppen, Nichtarchitektur und die Billigbauten der Hypermarche-Kultur. Das schnelle Wachstum in der Ebene geschieht auch auf Kosten anderer Bundesländer und schrumpfender Dörfer im Schwarzwald. Wenn gegen jede Vernunft dennoch „gewachsen werden muss“, dann sollte sorgfältig, nachhaltig, flächensparend und unter überregionalen Aspekten klug geplant und weniger scheußlich gebaut werden. Die herausgeputzten historischen Altstädte und die restlichen Naturschutzgebiete in der Rheinebene verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.
Kritik und Lob der Landwirtschaft am Oberrhein
Wir Naturschützer gehören zu den deutlichsten Kritikern der Landwirtschaft. Die Tendenz zur industriellen Landwirtschaft führt in Südbaden zu einer zunehmenden, großflächigen Mais- und Spargel- Monokultur. Wo früher eine artenreiche Acker-, Wiesen- und Streuobstlandschaft war, steht heute häufig giftgeduschter Mais. Viele der in der Landwirtschaft eingesetzten Spritzmittel und Gifte sind ein Grund für den massiven Rückgang der Artenvielfalt auf Ackerböden und in deren Umgebung. Erschreckend ist die Fernwirkung von Gift und Dünger bis in weit entfernte Naturschutzgebiete hinein. Wir leben in Zeiten, in denen es den Bienen in den Städten besser geht als auf dem Land und in der sich der extrem scheue Uhu in Städte flüchtet.
Vermaisung, Dünger und Agrargifte gefährden nicht nur die Artenvielfalt. Monokulturen breiten sich aus, Naturflächen werden kleiner und zerstückelt, Bäume und Hecken in der Rheinebene werden weniger. Von den vielen Hochstammbäumen der badisch-elsässischen Rheinebene ist bei abnehmender Tendenz ein winziger Rest geblieben.
Und doch haben wir, trotz aller Verluste, in Südbaden in Teilen immer noch eine recht kleinräumige Agrarlandschaft. Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Unsere in Teilen immer noch erfreulich kleinteilige Landwirtschaft in Südbaden verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte, großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Billige, umweltschädlich erzeugte Kirschen werden aus der Türkei nach Deutschland importiert, weil genau diese ungeregelte Form der Globalisierung sich durchgesetzt hat.
Zumeist unter CDU- & CSU-Landwirtschaftsministern sind, politisch gewollt, seit 1949 in Baden-Württemberg 75 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe verschwunden. Bundesweit gab es einen Rückgang von 42 Prozent innerhalb der letzten 17 Jahre. Wenn nur noch der Preis und der Markt zählen, dann haben Insekten, Vögel, Hecken aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung ist nicht der Feind der Landwirtschaft, sondern der potentiell Verbündete einer naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Ein wichtiger Hebel, um Vielfalt zu erhalten, wäre die deutsche und europäische Agrarpolitik. Doch in der Politik sind die Lobbyisten der großen weltweit genormten Agrarfabrik mächtig und hier versagen leider auch die südbadischen Bauernverbände. Wer die rapiden Zerstörungs- und Konzentrationsprozesse der Landwirtschaft im Osten und Norden der Republik kennt und wer mit offenen Augen durch das Elsass und Südbaden fährt, der weiß, dass wir dabei sind, das in Resten noch vorhandene vielfältige landwirtschaftliche Mosaik mit Hecken und Bäumen zu verlieren. Aus bunter Vielfalt wird Monotonie, aus Landwirtschaft wird politisch gewollte Agrarfabrik ohne Bauern, aber mit "landwirtschaftlichen Fachangestellten"...
Auch in südbadischen Gärten wird wieder heftig "gegiftet"
Die aktuelle Buchsbaumzünsler-Bekämpfung in den Gärten wird häufig mit Neonicotinoiden und anderen Giften durchgeführt. Aktuell gibt es in vielen Gärten wieder richtige "Gift-Orgien" wie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Arten werden weniger und die "Versteinerung" der Vorgärten nimmt zu.
Während bundesweit und regional Landwirte mit Grünen Kreuzen & Demos für Agrargifte & Glyphosat demonstrierten, gab es 2019 neue, erschreckende Studien zum Artensterben in Deutschland. Die Trends lassen sich auch auf Südbaden, Elsass und den Oberrhein übertragen.
Vogelsterben in Deutschland und am Oberrhein
"Die Fachgruppe „Vögel der Agrarlandschaft“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft hat ermittelt, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Arten von 55 Prozent auf 68 Prozent gestiegen ist. Die Bestandsrückgänge von Rebhuhn (89 Prozent seit 1992), Kiebitz (88 Prozent seit 1992), Feldlerche (45 Prozent seit 1992) und vieler weiterer Arten halten nicht nur an, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Als wesentliche Ursache für die Bestandsrückgänge sehen die Fachleute die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung, den Verlust von Landschaftselementen wie Ackerbrachen und die Einengung der Fruchtfolgen.
Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.
Insektensterben
Der Rückgang der Insekten und Spinnen in Deutschland reicht weiter, als bislang angenommen. Seit 2009 ist etwa ein Drittel aller Arten aus Wiesen und Wäldern verschwunden. Die Auswertung ergab insgesamt: Sowohl die Zahl der Insektenarten nahm massiv ab wie auch die Biomasse – allein auf den Wiesen um mehr als zwei Drittel. Der Insektenschwund war überall dort besonders stark, wo die Wiesen von Ackerland umgeben waren. Damit weist das Forscherteam um den Ökologen Sebastian Seibold darauf hin, dass die Hauptursache in der Landwirtschaft zu finden ist.
Quelle: Studie der TU München
Mehr Infos: Insektensterben, Ursachen & Studien
Einige ausgewählte Problemfelder in Sachen Natur & Naturschutz am Oberrhein und im Schwarzwald
- Natur und Naturschutzgebiete am Oberrhein sind einer immer stärkeren Kommerzialisierung und Verwertung ausgesetzt. Natur ist für viele Lokalpolitiker nur gut, wenn sie auch viel Geld bringt und vermarktbar ist. Das führt zu einer zunehmenden "Verrummelung" der wertvollsten Gebiete. Gerade der Feldberg, das Naturschutzgebiet Taubergießen und der Vogesenkamm sind besonders stark betroffen.
- Wiesen und Weiden In der Rheinebene wurden immer mehr Wiesen umgebrochen und durch eine Maiswüste für Energiemais ersetzt. Im Schwarzwald und in den Vogesen werden immer mehr Wiesen totgedüngt, um möglichst viel Gras für die Biogasanlagen zu erzeugen. Dieser Zerstörungsprozess bedroht alle Arten, die lebendige, vielfältige Wiesen brauchen. Die letzten naturnahen Wiesen wie die Elzwiesen oder das Grand Ried sind zwischenzeitlich Naturmuseen und ziehen immer mehr Besucher an und die Probleme nehmen zu. Immer mehr freilaufende Hunde, aber auch die maisgemästeten Wildschweine gefährden die letzten Bodenbrüter wie den großen Brachvogel. Gerade auch die zunehmende Zahl von verwilderten Hauskatzen schlägt eine Bresche in die Vogelwelt.
- Amphibien Das globale Amphibiensterben hat auch den Oberrhein erreicht. Die Bestandszahlen einheimischer Amphibien sind rückläufig.
- Grand Ried d‘Alsace / Das große Ried im Elsass Das große elsässische Ried ist das Überschwemmungsgebiet der nicht eingedeichten Ill. Ein Gebiet von fast 200 Quadratkilometern naturnaher Landschaft zwischen Ill und Rhein, zwischen Colmar und Straßburg. Eine faszinierende Landschaft aus feuchten, im Frühjahr überschwemmten Wiesen, kleinen Wäldern und Gebüschen. In den Auen des Ried und im Illwald kann man noch Vögel wie den Großen Brachvogel, die Rohrweihe, die Sumpfohreule und Tiere wie den Biber sehen. Am beeindruckendsten ist die Überflutungslandschaft der Ill in der Umgebung des malerischen Städtchens Schlettstadt und bei Muttersholtz. Auch im Elsass gab und gibt es Eindeichungspläne für die Ill, doch Alsace Nature und die französische Umweltbewegung haben sich bisher erfolgreich dagegen gewehrt. Schäden bringen diese periodischen Normal-Überflutungen nicht, denn die kellerlosen Häuser wurden auf kleine Hügel gebaut und fast alle Bauten sind „hochwasseroptimiert“. Im Grand Ried kann man sehen, wie naturnaher Hochwasserschutz in seiner Idealform aussieht.
- Rheinauewälder Von den ursprünglich vorhandenen Auewäldern am Oberrhein sind nur noch ca. 2% in naturnahem Zustand übriggeblieben. Hier hat über zwei Jahrhunderte hinweg ein Zivilisations- und Zerstörungsprozess stattgefunden, wie wir ihn im Moment in den Wäldern Amazoniens beobachten. Das Integrierte Rheinprogramm (IRP) versucht Hochwasserschutz mit Naturschutz zu verbinden. Doch gerade die ökologischen Aspekte des IRP werden von örtlichen Bürgerinitiativen entlang des Rheins massiv in Frage gestellt.
- Naturmuseum Hohlweg Durch den Tritt von Mensch und Tier, durch das Befahren mit Karren und Wagen tieften sich die Wege in den Löß des Kaiserstuhls und der Vorbergzone ein. Das Wasser spülte den zerriebenen Löß aus, die Wege wuchsen langsam in die Tiefe, die Wände wurden immer höher und steiler. So entstanden vielerorts verzweigte Systeme von Zugangswegen in die Reben. Von diesen traditionellen Hohlwegen des Kaiserstuhles ist heute nur noch ein winziger Teil erhalten. Im Rahmen der großen Flurbereinigungen der 70er und 80er Jahre wurden viele zugeschüttet oder beseitigt. Die wenigen verbliebenen Hohlwegesind Zeugnisse der alten Bewirtschaftung und Kulturdenkmale. Sie sind wichtige Teile der Erholungslandschaft sowie wertvolle Lebensräume. Ähnlich wie viele andere Naturschutzgebiete sind Hohlwege Naturinseln in häufig ausgeräumter Landschaft. Es sind auch Naturmuseen, Erinnerungen an große, nicht lange zurückliegende Zerstörungsprozesse.
- Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Rench, Schutter... In der Vergangenheit wurden die meisten Mittel- und Unterläufe unserer Bäche und Flüsse zu geradegestreckten, kanalisierten, naturfernen Kanälen umgebaut. Seit über zwei Jahrzehnten gibt es beim BUND am südlichen Oberrhein einen Traum. Am Anfang stand der jahrzehntelange, erfolgreiche Kampf um Kläranlagen und eine bessere Wasserqualität der Gewässer am Oberrhein. Danach konnten wir die Renaturierung der zu gerade gestreckten Kanälen geronnenen Bäche am Oberrhein, von Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter angehen... Wir hatten den frühen Traum von naturnahen Bächen und grünen, naturverbindenden Bändern von den Rheinauen zum Schwarzwald. Wenn jetzt an der Elz zwischen Köndringen und Riegel wieder Dämme zurückverlegt wurden, wenn aus der "Bach-Autobahn Elz" auf ersten, kleinen Teilstücken ein mäandernder Fluss mit Kiesbänken und Auen entstanden ist, wenn der Lachs zurückkehren kann, dann hat das auch damit zu tun, dass aus dem Traum auch eine ständig wiederholte BUND-Forderung an die politisch Verantwortlichen wurde.
- Gefährdetes Naturschutzgebiet Taubergießen Der Oberrheinausbau von 1960–1970 hat das Naturschutzgebiet stark verändert und die Hauptwassermenge wurde zur Stromgewinnung über einen Seitenkanal mit Staustufe abgeführt. Abgetrennt von Rhein und Leopoldskanal lag der Taubergießen jahrzehntelang abgesperrt von der dynamischen Kraft des Hochwassers. Sinnvollerweise wurden an einigen Stellen des Leopoldskanals die Dämme abgesenkt und neue Dynamik kam ins Naturschutzgebiet. Doch politischer Druck hat dazu geführt, dass die Dämme, gegen jede ökologische Vernunft, wieder erhöht wurden. Der Griff des Europaparks nach dem Taubergießen und die immer noch bestehenden Seilbahnpläne zeigen die Gefahren überdeutlich. Es gab bisher eine gerade noch „einigermaßen friedliche Koexistenz“ zwischen dem Naturschutzgebiet, den AnwohnerInnen und dem Park, ein trotz Lärmzunahme immer noch „wenig störendes“ Nebeneinander von Natur und Freizeitgesellschaft, aber Unzufriedenheit und Proteste nehmen mit dem schnellen Parkwachstum zu. Eines der vielen Probleme des Parks ist neben der Verlärmung auch der explodierende Flächenverbrauch und die massive Ausbreitung Richtung Autobahn, eine Expansion, die jetzt auch mit der Seilbahn ins Elsass getragen werden soll.
- Debatte von Schein- und Nischenproblemen In vielen Bereichen werden auch am Oberrhein in Sachen Umwelt und Naturschutz Schein- und Nischendebatten geführt. Über die jährlich ca. 100.000 von Windrädern getöteten Vögel in Deutschland wird interessengeleitet auch im Schwarzwald viel berichtet. Doch alleine an Glasscheiben sterben 18 Millionen Vögel jährlich. Von der Hauptursache des Vogelsterbens, dem giftverursachten Insektensterben, wird mit diesen gut organisierten Nischendebatten gezielt abgelenkt. Der Klimawandel wird das Artensterben massiv beschleunigen und nicht der Ausbau der zukunftsfähigen Energiequellen. Immer mehr "Bürgerinitiativen" gegen Windkraft und die so genannte Wildtierstiftung verfolgen mit vorgeschobenen Naturschutzargumenten teilweise vollkommen andere Ziele.
- Waldsterben im Schwarzwald und in den Vogesen Wer heute mit offenen Augen (nicht nur) durch den Schwarzwald und die Vogesen fährt und geht, erkennt massive, akute Waldschäden, die stark an die Schadbilder der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern. Es gibt mit zunehmender Tendenz immer mehr abgestorbene Einzelbäume und Baumgruppen, schüttere Wipfel von Laubbäumen, Fichten und Tannen mit starken Nadelverlusten - die Ursachen sind vielfältig. Einerseits, und das ist positiv, gibt es bei der Forstverwaltung mehr Mut zu Totholz als in den früheren Jahrzehnten. Andererseits sind die aktuellen massiven Waldschäden insbesondere auf den Klimawandel und seine Begleiterscheinungen (extrem trockene Jahre, Hitze, Zunahme von Schadinsekten wie dem Borkenkäfer...) zurückzuführen. Gerade der Hitze- und Trockensommer 2018 hat zu einer Schwächung der Bäume und zur massiven Zunahme von Schadinsekten geführt. Noch zwei, drei solche Hitzesommer und Trockenjahre wie im Jahr 2018 und wir werden den Schwarzwald und die Vogesen nicht wiedererkennen.
Natürlich werden auch in Baden neue Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Der 28. November 2013 war ein guter Tag für Natur, Umwelt und Baden-Württemberg. Gegen den massiven Widerstand von Jägern, Sägern, FDP & CDU beschloss der Landtag von Baden-Württemberg mit 71 zu 63 Stimmen endlich das Gesetz zur Errichtung eines sehr kleinen, leider immer noch zweigeteilten Nationalparks Schwarzwald.
Doch während Naturschutzgebiete (manchmal) unter öffentlichem Beifall eingeweiht werden, verschwinden gleichzeitig wesentlich größere Flächen unter Beton und Asphalt.
Gerade auch am Oberrhein gilt: “Der Naturschutz arbeitet am kleinen Detail, die Naturzerstörer arbeiten am großen Ganzen”. Die Vogelstimmen werden weniger, die Klingeltöne der Handys nehmen zu.
Es scheint weltweit ein Nivellierungsprinzip zu geben, nach dem die wertvollen, einzigartigen Landschaften so lange vermarktet werden, bis aus Schönheit Mittelmaß (oder weniger) wird.
Positive Entwicklungen
Nur in wenigen Bereichen am Oberrhein, in Südbaden und im Elsass gibt es positive Entwicklungen. Wir freuen uns über den erkämpften Nationalpark Nordschwarzwald, die Rückkehr der Lachse und der Biber, die Wildkatzen am Kaiserstuhl und die langsam anlaufenden Renaturierungsmaßnahmen an Elz, Dreisam und Kinzig.
Zu den regionalen Gewinnern der vergangenen Jahre gehören auch Bienenfresser, Wiedehopf, Zaunammer, Alpensegler, Storch, Steinkauz, Wanderfalke, Uhu und Graureiher. Das kompensiert aber nicht ansatzweise die großen Verluste. Die Erfolge verdanken wir engagierten Artenschutzprojekten. Das lange zurückliegende, mühsam erkämpfte DDT-Verbot hat nicht nur den Wanderfalken gerettet. Das erfolgreiche Engagement vieler Menschen für Storch und Wiedehopf und der Kampf gegen DDT zeigen, dass es sich lohnt, gemeinsam Anstrengungen zu unternehmen, damit auch zukünftige Generationen eine bunte Artenvielfalt erleben können.
Erste Fortschritte auch "unter Wasser"
Nach dem Krieg war der Rhein eine Kloake. Es klingt heute unglaublich, aber erst im Jahr 1982 wurde zum Beispiel die Kläranlage Basel in Betrieb genommen. Das große Fischsterben 1986 nach der Sandoz-Katastrophe war der makabere Höhepunkt der Rheinverschmutzung. Demonstrationen und Aktionen der Umweltbewegung brachten den Fortschritt und eine verbesserte Gesetzgebung. Im Jahr 1996 erzwang BUND-Protest den Einbau einer Kläranlage in der Usine Kaysersberg, der letzten Papierfabrik am Oberrhein, die keine Kläranlage hatte. Durch die Verbesserung der Wasserqualität in den letzten Jahrzehnten ist zumindest ein Teil der ursprünglichen Vielfalt zurückgekehrt. 52 Fischarten und Neunaugen leben aktuell wieder im Oberrhein und den Auen, von denen 42 für den Rhein als heimische Arten gezählt werden. Auch die ersten Lachse kommen, trotz teilweise immer noch fehlender Fischaufstiege, wieder den Rhein hinauf. Die Erfolge in Sachen Fischfauna sind erfreulich und dennoch gibt es auch in diesem Bereich noch viel zu tun.
Im Jahr 2016, passend zum dreißigsten Jahrestag der Sandoz-Katastrophe, stand in vielen Medien: "30 Jahre nach dem Großbrand im Schweizer Chemieunternehmen Sandoz bei Basel tummeln sich wieder viele Lachse im Rhein.“ 2015 seien rund 800 dieser sensiblen Wanderfische gezählt worden, teilte die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins mit. 800 Lachse? Das klingt erst mal nach ziemlich vielen Fischen... Doch noch vor hundert Jahren war der Rhein der bedeutendste Lachsfluss Europas. Jahr um Jahr kehrten etwa eine Million Lachse von ihrer langen Reise nach Grönland zurück in die Rheinzuflüsse im Schwarzwald, im Elsass und in die Schweizer Alpen. Um 1900 wurden allein aus dem Rhein jährlich ca. 85.000 Tonnen Lachs gefischt.
Die heutigen Hauptprobleme für die Artenvielfalt der Rheinebene sind
Flächenverbrauch und die Vergiftung der Natur durch immer neue Agrargifte. Diese Probleme werden nur in winzigen Nischen symbolhaft angegangen. Viel zu zaghaft werden Naturschutzgebiete ausgewiesen und nur kleine Teilstücke der kanalisierten Flüsse und Bäche renaturiert. Wir freuen uns, dass 2017 das Biosphärengebiet Schwarzwald von der UNESCO anerkannt wurde. Doch ist aufgefallen, dass bei den Feierlichkeiten und den offiziellen Reden das Wort "Natur" fast nicht vorkam. Dem ehrenamtlichen Naturschutz geht es nicht um ein Biosphärengebiet Schwarzwald, bei dem nur Zuschüsse und Wachstum im Vordergrund stehen.
Artensterben: Von Nashörnern, Robbenbabys und Kormoranen
Ein erstaunliches Phänomen ist die Liebe von regionalen Medien und Öffentlichkeit zu weit entfernten und exotischen Arten. Rettet die Wale, Delfine, Robbenbabys... Es ist schön und wichtig, dass sich Menschen mit diesen Problemen und Themen auseinandersetzen. Doch warum ist „die Liebe“ zu den erschlagenen Robben in Kanada größer als das Interesse an den erschossenen Kormoranen vor der eigenen Haustür? Warum berichten Medien öfter über erschossene Nashörner und nicht über bei uns bedrohte Feldlerchen und Feldhasen? Warum wird eher für die Walrettung gespendet als für den Amphibienschutz im eigenen Dorf?
Ordnung & Sauberkeit contra „wilde“ Natur
Bei vielen großen Konfliktthemen im Naturschutz am Oberrhein und im Schwarzwald schimmert immer wieder eine deutsche Urangst hervor. Es ist die große Angst vor Veränderung und Unordnung. Das beginnt im Kleinen, beim sauber auf- und ausgeräumten, manchmal sogar versteinerten Garten, in dem kein Vogel mehr einen Brutplatz findet. Es geht weiter mit der auf- und ausgeräumten Kulturlandschaft, wo Hochstammbäume und Hecken in der Maissteppe nichts mehr zu suchen haben. Doch auch die großen Konflikte um den Nationalpark Nordschwarzwald oder um die Ökologischen Flutungen beim Integrierten Rheinprogramm sind von solchen Ängsten geprägt. Ein Wald, der sich „ungeplant und nicht von Menschen gesteuert“ verändert, eine neu entstandene Kiesbank nach einem Hochwasser im Taubergießen, ein erster Wolf im Schwarzwald... solche Veränderungen oder gar „Wildnis“ lösen tiefsitzende Ängste aus.
Ein „aufgeräumter, sauberer“ Schwarzwald, eine zugemaiste Ebene und eine „Stadparkbächlelösung“ statt ökologischer Flutungen am Rhein sind dann die Ergebnisse solchen Denkens. Ein Spaziergang auf dem Hochwasserdamm der geradgestreckten Kanäle von Rhein, Elz, Dreisam und Kinzig wird zum Natur-Abenteuer verklärt.
"Rühr-mich-nicht-an"-Schutzgebiete?
Um die letzten und wertvollsten Gebiete und Arten am Oberrhein zu erhalten, müssten eigentlich immer mehr "Rühr-mich-nicht-an"-Schutzgebiete ausgewiesen werden. Es gibt ein Dilemma zwischen der Notwendigkeit, die bedrohten Arten zu schützen und dem Wunsch, Menschen an die Natur heranzuführen. Eine konsequente Renaturierung unserer zu Kanälen geronnenen Bäche böte Chancen für Mensch und Natur.
Stadt- und dorfnah könnten Menschen die Natur genießen, und lange ruhige Bachabschnitte könnten für Flussregenpfeifer & Co. zu Rückzugsgebieten werden. Ein großes Problem ist die übertriebene Kommerzialisierung aller Lebensbereiche und damit auch des „Naturerlebens“. Der Profi-Paddeltourismus in den Rheinauen ist nur ein Beispiel für diese Entwicklung.
Noch finden sich am Oberrhein einzigartige und wertvolle Naturlandschaften mit seltenen, manchmal stark gefährdeten Tieren und Pflanzen. Dass Wiedehopf, Storch, Smaragdeidechse und Küchenschelle am Oberrhein vorkommen, ist nicht zuletzt das Verdienst ehrenamtlichen Engagements und einer engagierten Naturschutzverwaltung. Ein gut verdrängtes Naturschutz- und Raumordnungsproblem ist der politische Druck der mächtigen Bürgermeister in Kreistagen und Regionalverbänden.
Aufgaben
Wir müssen aufzeigen, dass Artenvielfalt und Schutz der Natur immer auch den Menschen nützen. Zersiedelung, Flächenverbrauch, Verlärmung, Monokulturen, Klimawandel und Natur- und Umweltzerstörung bedeuten eben nicht nur Verlust von Artenvielfalt, sondern auch Verlust an Lebensqualität. Das globale und regionale Artensterben kann nicht losgelöst von unserer Raubbauwirtschaft betrachtet werden. Wir wollen Vielfalt statt Einfalt und Biodiversität statt Monokultur. Angesichts der Dramatik der Situation dürfen wir uns nicht mit den von der Politik angebotenen Nischen und Spielwiesen zufriedengeben.
Der Naturschutz muss - nicht nur in Baden und im Elsass - kreativer und kämpferischer werden!
Axel Mayer, (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, Vizepräsident TRAS und Kreisrat
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Genau in dieser Frage unterscheiden sich gemeinwohlorientierte Naturschutzverbände von egoistischen Bürgerinitiativen.
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- 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
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Diedenhofen - Thionville
Duß - Dieuze
Erstein - Erstein
Falkenberg - Faulquemont
Fessenheim - Fessenheim
Folschweiler - Folschviller
Forbach - Forbach
Freimengen - Freyming
Gebweiler - Guebwiller
Gerdsee - Gérardmer
Hagendingen - Hagondange
Heilig-Kreuz - (Sainte-)Croix-en-Plaine
Hagenau - Haguenau
Hayingen - Hayange
Hochfelden - Hochfelden
Homburg-Bidingen - Hombourg-Budange
Hüningen - Huningue
Großblittersdorf - Grosbliederstroff
Großtändhen - Grostenquin
Illkirch-Grafenstaden - Illkirch-Graffenstaden
Kattenhofen - Cattenom
Kaysersberg - Kaysersberg
Kestenholz - Chatenois
Klein-Rosseln - Petite Rosselle
Kochern - Cocheren
Kolmar(auch:Colmar) - Colmar
Königsmachern - Koenigsmacker
Kreuzwald - Creutzwald
Kriechingen - Crehange
Kurzel(-Straße) - Courcelles-chaussy
Langich - Longwy
Lauterburg - Lauterbourg
Leberau - Liepvre
Lubeln - Longeville
Lünstadt - Lunéville
Lützelstein - La Petite Pierre
Markirch - St. Marie aux Mines
Markolsheim - Marckolsheim
Masmünster - Masevaux
Mau(e)rsmünster - Marmoutier
Merlenbach - Merlebach
Merzweiler - Mertzwiller
Metz - Metz
Metzerwiesen - Metzervisse
Mömpelgard - Montbeliard
Molsheim - Molsheim
Molsheim - Molsheim
Mörchingen - Morhange
Münster - Munster
Mülhausen (auch:Mühlhausen) - Mulhouse
Müttersholz - Muttersholtz
Mutzig - Mutzig
Nanzig - Nancy
Neu-Breisach - Neuf-Brisach
Neudorf - Village-neuf
Niederbronn - Niederbronn-les-Bains
Nieder-Jeutz - Yutz (Basse)
Oberehnheim - Obernai
Oberhomburg - Hombourg-Ht
Pfalzburg - Phalsbourg
Pfarr-Ebersweiler - Farebersviller
Pfirt - Ferrette
Püttlingen - Puttelange(-aux-Lacs)
Rappoltsweiler - Ribeauville
Reichenweier - Riquevihr
Reichersberg - Richemont
Reichshofen - Reichshoffen
Remelach - Remilly
Rheinau - Rhinau
Rombach - Rombas
Saaralben - Saaralbe
Saarburg - Sarrebourg
Saargemünd - Sarreguemines
Saarunion - Sarre-Union
Salzburg,Salzburgen - Chateau-Salins
Schiltigheim - Schiltigheim
Schlettstadt - Selestat
Schweighausen - Schweighouse
Selz - Seltz
Sennheim - Cernay
Sierenz - Sierentz
Solgen - Solgne
Spangen - Pange
Spinal,Spinneln - Epinal
Spittel - Hôpital
St.Avold - St.Avold
St.Didel - St.Dié
St.Pilt (auch:Belt) - St.Hippolyte
St.Ludwig - St.Louis
Stieringen - Stiring(-Wendel)
Straßburg - Strasbourg, Strassbourg, Straßbourg, Strasburg Sufflenheim - Soufflenheim
Sulz u.Wd. - Soultz-sous-Forets
Thann - Thann
Wanzenau - La Wantzenau
Wasselnheim - Wasselonne
Weißenburg - Wissembourg
Wörth - Woerth
Zabern - Saverne
Elsass, Alsace, Mensch, Natur, Umwelt, Nachhaltigkeit: Straßburg, Mülhausen, Fessenheim, Colmar, Hagenau, Schiltigheim, Illkirch-Grafenstaden, Saint-Louis, Schlettstadt, Ill, Doller